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Coverstory: Zillertaler Mander

"Weihnachten gehört bei uns der Familie"

Das vermutlich urigste Duo des Zillertals hat mit "Erdig & Stark" kürzlich ein neues Album veröffentlicht. Mander-Hälfte Albin Fankhauser hat uns deshalb in der ÖMM-Redaktion besucht und mit uns nicht nur über die neue CD und das bevorstehende Weihnachtsfest gesprochen, sondern auch über die Natur, die Dialekte und die Musik des Zillertals.

Das Zillertal wird nicht nur von uns gerne als das musikalischste Tal der Welt bezeichnet. Einer der erfolgreichsten Acts dieser ganz besonderen Region Tirols sind die Zillertaler Mander, bestehend aus Christian und Albin Fankhauser. Letzterer hat uns kürzlich in der ÖMM-Redaktion einen Besuch abgestattet und natürlich konnten wir es nicht lassen und haben versucht, mit dem sympathischen Musiker die Faszination "Zillertaler Musik" zu ergründen. "Dafür muss ich ein wenig ausholen. Hosch‘ Zeit", fragt Albin lachend. Zum historischen Fachsimpeln mit einem waschechten Tiroler natürlich immer. "Ich habe früher Harmonika gespielt bei einer Gruppe von ‚schianen Danza‘. Das ist ein Volkstanz und hat mit Schuhplattll‘n nicht im Geringsten etwas zu tun. Man trägt Gewänder mit Glitzer und Glöckchen und unsere Recherche hat ergeben, dass dieses ‚schöne Tanzen‘ aus dem Baltischen kommt. Die klassische Besetzung war seinerzeit ein Hackbrett, eine Geige und eine Mundharmonika und dann wurde dazu getanzt und mehrstimmig gesungen", sodie Zillertaler-Mander-Hälfte. "Und ich glaube, dass dieses extreme und vor allem auch etwas andere Musizieren im Zillertal Überliefertes aus dem Baltikum ist. Zigeuner, Handeltreibende, Sinti und Roma streifen seit Jahrhunderten durch das Zillertal, der eine oder andere wird auch hängengeblieben sein und auch die Einheimischen werden sich etwas davon abgehört haben. Das ist meine Erklärung für dieses Phänomen."

Aauch Albin wurde schon früh von der Musik in ihren Bann gezogen. Die Anzahl der Tage, in denen der 46-Jährige kein Instrument in Händen hielt, lassen sich wahrscheinlich leicht abzählen. Schon sein Vater, der Zimmermann Johann Fankhauser musizierte früh auf Hochzeiten und Kirchtagen und legte seinem Sohn Albin das Talent praktisch in die Wiege. Und auch Christians Vater und Opa waren beide in der Dorfkapelle Ginzling-Dornauberg. Die Zillertaler Mander sind also echte Vollblutmusiker. "Ich mache das mittlerweile seit über dreißig Jahren", erzählt uns Albin, der nach den ‚schianen Danza‘ seine erste Gruppe, das Trio Zillertal gründete. Aus dieser entwickelte sich die spätere Band Crystal, welche elf Jahre lang erfolgreich war und als Teil derer Christian Fankhauser ebenfalls ein paar Jahre auf der Bühne stand. Nach der Auflösung von Crystal im Jahr 2002, sollte es das eigentlich gewesen sein, doch es dauerte nicht lange bis die Liebe zur Musik ein neues Projekt entfachte. "Ich wollte das gar nicht mehr machen, weil bei mir damals auch noch das dritte Kind gekommen ist. Christian und ich hatteneigentlich gesagt: Okay tu‘ ma halt gelegentlich zu zweit noch Tirolabende machen, aber innerhalb von zwei Jahren waren wir wieder komplett im Fahrwasser drinnen", lacht Albin.

"Wenn wir nach einem Konzert mit den Fans zusammenstehen, hören wir sofort, was sie interessiert, anzipft und unter ihren Nägeln brennt."

Fahrwasser ist eine nette Untertreibung, denn die Diskografie und der Tourplan der Zillertaler Mander können sich sehen lassen. "Es läuft wirklich sehr gut, wir haben eigentlich alle Jahre produziert, insgesamt elf Produktionen und die Leute mögen uns." Das Besondere an den Mandern ist, dass Albin und Christian sehr authentische und frische Volksmusik machen, die man trotz der hohen Musikerdichte des Zillertals klar heraushört. "Ich glaube man muss sich aus dem klassischen Korsett der Volksmusik auch ruhig einmal befreien, beispielsweise wie mit unserem ‚Wirtshausrap‘, der auch bei der Jugend super ankommt", erzählt uns Albin. "Auch textlich. Natürlich gibt es eine Szene, die singt nur über den blauen Enzian, vom Alpenglühen und vom Madl mit’n Loatl am Fenstal, aber ich finde es soll halt zumindest immer wieder mal auch ein geistiger Inhalt mit dabei sein." Die Inspiration für ihre Lieder, die das Duo fast ausnahmlos selbst produziert und von Albin geschrieben wird, holen sich die Mander übrigens direkt von ihren Fans. "Wir sind auf dieser Schiene von Anfang an gefahren und davon auch nie abgekommen. Dadurch haben wir mit den Leuten einen brutalen Kontakt und können auf ihre Bedürfnisse auch eingehen. Wenn wir beispielsweise nach einem Konzert zusammenstehen, hören wir sofort, was sie interessiert, anzipft und unter ihren Nägeln brennt." Die Zillertaler Mander sind eine der wenigen Volksmusikgruppen, die selbst vor politischen Themen nicht Halt machen. "Aber wir bringen’s trotzdem mit einem Zillertaler Schmäh umma. ‚Scheiß di nix donn fahlt da nix, bleib locker und keep cool‘ singen wir in einem unserer Lieder", grinst Albin beim Interview.

Ihr neueste Produktion "Erdig & Stark" bleibt diesem Konzept treu. "Erdig heißt für mich mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und immer zu wissen, wo man hingehört. Mit den Themen immer in der Heimat zu bleiben und auch darauf zu schauen, dass ein gewisser regionaler Wortschatz nicht verlorengeht." Beispielsweise das Wort ‚wiache‘, das die zwei besonders gerne haben, aber selbst im Zillertal unterschiedlich interpretiert wird. "Wiache ist ein typischer, aber sehr interessanter Zillertaler Ausdruck. Das Zillertal ist dreißig Kilometer lang, aber wiache wird am Tal Eingang anders interpretiert als im hinteren Zillertal. Bei uns hinten kann es ein deftiges Essen wie Grammeln beschreiben, es kann aber auch eine Charaktereigenschaft sein. Wenn ein Bauernbursch vom hinteren Zellberg mit reingestülptem Hemd ins Wirtshaus kommt, mit Bart im G’sicht und einer Zigarette im Maul und vorm Lokal noch ordentlich hinspuckt, dann ist des wiache. Eckig, kantig, unförmig, verwegen. Oder wenn es mal besonders zugeht, wenn bei einem Zeltfest tausend Leut auf den Bänken stehen, dann ist das wiache. Im vorderen Zillertal ist wiache hingegen schon eher negativ behaftet. Zu viel des Guten, schmuddelig."

Stark sein müssen die Zillertaler Mander vor allem selbst, denn das Programm des Duos ist körperlich und mental anstrengend. "Wenn wir vier bis fünf Stunden Gas geben, da musst du stark sein. Auch abseits der Bühne. Wir lieben unsere Fans, aber die saugen einen ja regelrecht aus, die ziachen und zutzeln und da muss man stark bleiben und zuhause wieder Energietanken. Ich gehe dafür dann gerne in die Berge, dorthin wo keine Touristen mehr sind, dorthin wo die Geier kreisen und die Mankerlan (Murmeltiere) an dir vorbeigehen. Da fahlt da nix", strahlt er und zeigt uns auf seinem Smartphone Fotos seiner Lieblingsplätzchen. Wenn nicht in den Bergen, dann tanken die Zillertaler Mander bei ihren Familien Energie. Weil unter dem Jahr oft nicht genügend Zeit bleibt, haben die zwei Musiker deshalb schon früh beschlossen, keine Weihnachtstourneen und dergleichen zu machen. "Diese Zeit gehört einzig und alleine der Familie. Heuer machen wir für das Heimatradio U1 schon etwas für ihre Sendung im Hödnerhof Ebbs, da wird es auch zwei Weihnachtstitel von uns geben, aber das ist schon in der ersten Adventwoche, das geht noch. Aber die anderen drei Wochen gehören dann wirklich nur der Familie. Da wird dann zuhause ganz reduziert musiziert und das finde ich dann auch immer wieder schön, ohne laute Bühne, ohne Herumfahren, Auf- und Abbau." Außerdem besucht Albin mit seinen Kindern rund um Weihnachten jährlich das Altersheim der Kaiser-Franz-Josef-Stiftung in Zell am Ziller, um dort für die Bewohner zu musizieren. "Das tut so gut, den Leuten dort etwas ohne Gage vorzuspielen, da funkeln die Augen mehr als ein neu gedruckter Hunderter. Musik ist für mich nicht eine Gabe, sondern eine Gnade", so Albin abschließend.

Fotos: © Pressefotos

 

 

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