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Coverstory: Fantasy

"Wir hüpfen noch bis Ende des Jahres"

Martin und Freddy sind zurück und veröffentlichten mit "Freudensprünge" vor kurzem ein neues Album. In Deutschland und Österreich ist es direkt auf Platz eins in die Charts eingestiegen und auch ihre kommende Tournee ist großteils schon ausverkauft. Wir haben Fantasy zum ÖMM-Interview gebeten und mit ihnen über Erfolg, die Schwierigkeiten zum Karrierestart und Dieter Bohlen gesprochen.

"Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass die Leute in Deutschland und Österreich einen guten Musikgeschmack haben", lachen Fantasy gleich zu Beginn unseres Interviews, als wir Martin und Freddy auf die aktuellen Musikcharts ansprechen. Sowohl in ihrer Heimat Deutschland als auch bei uns in Österreich landete ihre neueste Produktion direkt auf der Pole Position. "Das ist uns auch schon mit dem letzten Album gelungen und ist natürlich eine Riesenanerkennung. Das treibt einen auch an, in dem Stil wie bisher weiterzumachen, denn offenbar lieben unsere Hörer und Fans diese Musik." Liebe ist in diesem Zusammenhang eine passende Formulierung, lässt sich die Zuneigung und Treue der Fantasy-Fans kaum anders beschreiben. Die rot-weiß-roten Herzen müssen übrigens besonders groß sein, denn obwohl Fantasy ihre komplette Österreich-Promotiontour krankheitsbedingt absagen mussten, wurde das neue Album in der ersten Woche öfter verkauft als alle anderen. "Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Ohne Interviews und Fernsehauftritte, in denen wir die CD bewerben konnten, auf der eins einzusteigen, ist wirklich unglaublich", bedankt sich Martin im ÖMM-Interview bei allen Käufern der neuen Scheibe.

Doch solche Erfolge seien nicht selbstverständlich, wie uns Fantasy erzählen. "Das war nicht immer so. Wir machen seit fast zwanzig Jahren gemeinsam Musik und die Anfangszeiten waren richtig hart. Wir sind teilweise zu Auftritten gefahren und fünf Kilometer vorm Veranstaltungsort ist unser Auto liegen geblieben, weil wir kein Geld für mehr Sprit hatten. Das ist zwei, drei Male passiert. Das war dann so, dass uns der Veranstalter abholen musste und er uns nach dem Konzert mit unserer kleinen Gage zu einer Tankstelle fuhr, wo wir dann einen Kanister Benzin für die Rückfahrt gekauft haben", erinnert sich Martin. "Oder wir kamen nachhause und es war der Strom abgestellt. Wir haben damals zwar beide gejobbt, hatten aber einen Punkt erreicht, wo eine Festanstellung unmöglich war, weil wir auch unter Woche häufig Auftritte zu absolvieren hatten. Wir haben uns damals für die Musik entschieden, weil sie unsere Liebe und Leidenschaft ist, aber einfach war es nicht. Ich habe gekellnert, war Hausmeister an einer Autobahnraststätte, habe Kartoffeln geschält, den Abwasch gemacht, am Kiosk gearbeitet. Freddy hat in Hotels Betten neu bezogen und Toiletten geputzt."

Ihre beiden ersten Alben "Mein schönstes Geschenk" (2002) und "Alle wissen es schon" (2006) schafften es nicht mal in die Top-100, von Konzerten in ausverkauften Stadthallen durfte, wenn überhaupt, nur geträumt werden. "Wir haben in Kneipen gesungen, wo drei Betrunkene an der Theke standen." Aufgrund all dieser Erfahrungen wissen Freddy und Martin ihre heutigen Erfolge besonders zu schätzen und haben ihrer aktuellen CD deshalb mit "Freudensprünge" einen dankenden Titel gegeben. "Wir haben sie so benannt, weil in den letzten drei Jahren so viele tolle Sachen passiert sind. Das letzte Album auf der eins, drei Mal Gold in Österreich, drei Mal Gold und einmal Platin in Deutschland, drei ECHO-Nominierungen. Wir hatten also genügend Gründe, um Freudensprünge zu machen und nach dem jetzigen Erfolg hüpfen wir auch garantiert noch bis Ende Jahres weiter", lachen die beiden. Warum Fantasy ausgerechnet jetzt der verdiente und lange Zeit bloß erhoffte Durchbruch gelungen ist, können sich Martin und Freddy selbst nicht ganz erklären. Die Möglichkeit mit Andrea Berg auf Tour zu gehen und als Eröffnungsact vor der Schlagerqueen auf der Bühne stehen zu dürfen, habe Fantasy zwar viele neue Fans gebracht, ihren heutigen Erfolg darauf zu reduzieren, sei jedoch nicht ganz fair. "Sie hat uns damit auf jeden Fall den Start geebnet, aber fliegen mussten wir dennoch alleine." Das sympathische Duo arbeitete hart, schrieb, komponierte und textete unzählige Songs, in der Hoffnung ihren ersten großen Hit zu landen. Durch einen glücklichen Zufall war es dann bald soweit: "Freddy schrieb damals unter anderem den Song ´Geh mit ihm´, der eigentlich für Brunner & Brunner vorgesehen war, doch die beiden haben den Titel abgelehnt. Dafür sind wir ihnen heute noch dankbar, weil wir haben ihn dann selber aufgenommen und das war dann eigentlich der Startschuss für den heutigen Fantasy-Sound."

"Wir sind teilweise zu Auftritten gefahren und fünf Kilometer vorm Veranstaltungsort ist unser Auto liegen geblieben, weil wir kein Geld mehr für Sprit hatten."

Mittlerweile ist das Interesse an dem Schlagerduo so groß, dass Martin und Freddy im Vorjahr nicht mal Zeit hatten, um ein neues Album zu veröffentlichen. "Wir haben letztes Jahr 246 Auftritte absolviert, aber das war schon zu extrem", erklären Fantasy. "Wenn man so viele Tage unterwegs ist, dann geht das Familienleben verloren. Wir haben ja beide auch Kinder und im Vorjahr hat der Urlaub gelitten, Geburtstage von Familienmitgliedern, Hochzeiten, wir waren nie da. Außerdem ist im Tourbus zu sitzen und im Hotel zu schlafen, auf Dauer richtig anstrengend. Wir sind auch nicht mehr die Jüngsten." Die neue "Freudensprünge"-Tournee wird deshalb weniger Termine haben und sich auf größere Hallen beschränken. Fantasy gehören mittlerweile halt zu den ganz Großen wie Helene Fischer, Andrea Berg oder Semino Rossi - auch wenn sie es selbst noch nicht wahrhaben wollen. "Wir kriegen das zwar überall zu hören und sehen im Studio auch die Wände voller Edelmetall, aber so richtig begreifen tun wir es noch nicht", so die zwei im Interview. "Als uns dann auch noch angeboten wurde, mit Dieter Bohlen zusammenzuarbeiten, war das für uns schon so ein Wow-Moment."

Zwei Jahre lang habe Bohlen das Duo bereits beobachtet, bei Andrea Bergs alljährlichem "Bergfest" haben sich die drei schließlich kennengelernt. Es folgte ein Anruf ihres Managers, Dieter Bohlen fände Fantasy toll und würde gerne etwas mit ihnen machen. "Da waren wir natürlich total gerührt. DER Dieter Bohlen, der Poptitan, einer der erfolgreichsten Produzenten weltweit will mit uns zusammenarbeiten. Wir sind beide riesige Modern-Talking-Fans gewesen. Da haben wir dann natürlich nicht lange überlegt." Im Vorfeld der Produktion kamen jedoch auch einige Zweifel und Ängste auf, wie uns Martin erzählt. "Wir hatten unsere bisherigen acht Alben alle komplett selbst produziert und geschrieben, deshalb war es schon ein bisschen riskant, das aus der Hand zu geben, aber es ist alles gutgegangen. Außerdem ist Dieter Bohlen ja nicht irgendjemand. Wir waren vor den Aufnahmen sogar richtig aufgeregt, weil er in seinem Studio schon Weltstars produziert hat und dann kommen wir zwei Fiffis da hin. Dieter ist zwar ein totaler Perfektionist, aber die Atmosphäre war trotzdem locker. Wir haben viel gelacht und insgesamt war es eigentlich das Gegenteil dessen, was wir befürchtet hatten. Wir dachten da wird’s jetzt streng, so wie in der DSDS-Jury", scherzt die Fantasy-Hälfte. "Da können wir uns Sprüche anhören wenn etwas nicht passt, aber im Endeffekt war es eine tolle Erfahrung und Dieter ein sehr liebenswerter Mensch."

Die komplette Produktion sei laut Fantasy richtig angenehm gewesen. "Dieter hat uns nicht verbogen, er hat Fantasy nach Fantasy klingen lassen", war Martin über die Anpassungs- und Kritikfähigkeit des Poptitanen erfreut. "Wir konnten auch komplett mitentscheiden, es war also nicht so, dass er uns vierzehn Songtitel geschickt und gesagt hat: Ich bin Dieter Bohlen und ihr singt das! Das war überhaupt nicht der Fall, wir konnten bei den Liedern auch Passagen oder Melodiebögen ändern lassen." Das Ergebnis kann sich hören und bald auch sehen lassen, denn die "Freudensprünge"-Tournee hat bereits begonnen und wird Freddy und Martin abermals in zahlreiche Städte führen. Und auch Fantasy selbst freuen sich bereits: "Wenn wir in eine volle Halle kommen, dann ist das für uns viel mehr wert, als irgendwelche Verkaufszahlen."

Fotos: © Stefan Pick

 

 

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