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Hannah

"Ich muss nicht jedem gefallen!"

Die Tiroler Sängerin hat sich in den vergangenen Jahren von der braven Volksmusikerin zur Alpen-Punklady entwickelt. Tätowierungen, aufreizende Musikvideos, ihre aktuelle Single heißt "Scheißegal": Hannah nimmt sich kein Blatt mehr vor den Mund und sagt gerade heraus, was sie denkt. So auch bei unserem Interview-Termin in Graz.

ÖMM:
Seit deinem Debütalbum vor fünf Jahren hast du dich sowohl optisch als auch musikalisch enorm verändert. Wie würdest du die Entwicklung vom braven Mädchen zur durchgeknallten Rockerbraut erklären?

Hannah: Eigentlich war ich schon immer sehr durchgeknallt (lacht). Bei meinem Debüt war es so, dass ich, aufgrund einer Demoaufnahme von mir, sehr schnell einen Plattenvertrag bei Universal gekriegt habe. Die haben dann gesagt: Wir stellen dir eine Stylistin zur Verfügung, machen ein großes Umstyling und so bin ich dann mit meinem Debütalbum auf den Markt gekommen. Ich wurde zur braven, klischeehaften Volksmusik-Sängerin umgestylt. Ich kann mir daher auch die alten Pressefotos gar nicht anschauen (lacht). So wie ich jetzt aussehe, so bin ich wirklich.

ÖMM: Wie wichtig ist es ein Image zu haben?

Hannah: Ich bin einfach nicht diese flache Schlagersängerin und will das auch gar nicht sein. Da gibt es genügend, die gleich ausschauen, mit ihren langen, blonden Haaren. Gerade in der heutigen Musikbranche ist es wichtig, dass man sich abhebt. Bei meinem Tattoo am Kopf gab es einen Aufschrei in der Szene, aber ich bin lieber "die mit den Tätowierungen und schrillen Outfits" als eine von vielen.

ÖMM: Das gefällt allerdings nicht jedem. Was waren die schlimmsten Sachen, die du dir aufgrund deiner Optik anhören musstest?

Hannah: In Zeiten des Internets liest man natürlich schon viel. Oftmals steckt man das locker weg und manchmal zerstört es mich bis ins Tiefste. Erst gestern habe ich einen Kommentar gelesen: "Furchtbare Frisur, aber tolles Video." Da muss man drüberstehen, ich muss ja nicht jedem gefallen. Es gibt auch immer wieder Leute vom älteren Schlag, die sagen, dass ich viel zu viel geschminkt sei. Das find ich dann manchmal schon ziemlich arg, denn ich kritisiere meine Fans ja auch nicht dafür, wie sie ausschauen.

ÖMM: Nicht nur dein Aussehen hat für Diskussionen gesorgt. Zwischenzeitlich gab es immer wieder Vorwürfe, du würdest bloß auf Andreas Gabaliers Volks-Rock‘n‘Roller-Zug aufspringen wollen...

Hannah: Ich werde mit dem Andi schon seit Anfang an verglichen und das war für nicht immer ganz einfach. Ich glaube, dass ich deshalb verglichen wurde, weil man mich nicht einordnen konnte. Volksmusikerin, Schlagersängerin, Rockerin… und als er dann mit dem Begriff Volks-Rock’n’Roller kam, hat man mich da irgendwie dazugesteckt, obwohl wir vollkommen andere Musik machen. Deshalb habe ich jetzt mit dem neuen Album den Alpenpunk erfunden, da das eine Bezeichnung ist, mit der ich mich am meisten identifizieren kann.

ÖMM: Dein Rocker-Image ist also nicht erfunden?

Hannah: Ich hab mit 12 Jahren meine erste Rockband gehabt, bin gelernte Gesangslehrerin für Rock und Pop und hab als Jugendliche eher solche Musik gehört. Wenn meine Mama früher am Sonntag im Radio Frühschoppen gehört hat, dann war das für mich ganz schlimm. Da habe ich mich immer gewehrt und gesagt: Nein, also Schlager mache ich sicher nie! In Tirol gibt es aber den Spruch "dort wo man hinspuckt, muss man auflecken" und genau so ist bei mir gekommen. Nach der Geburt meiner Kinder, wollte ich wieder Musik machen und habe gemerkt, dass ich mich in meiner Muttersprache viel besser ausdrücken kann. So hat das dann eigentlich erst angefangen…

ÖMM: Was ist dann eigentlich so deine Musik?

Hannah: Die erste Nummer, die ich damals mit meiner Band gecovert habe war "Black Velvet" von Alannah Myles. Ansonsten Toto, "Paranoid" von Black Sabbath, Bon Jovi. Ich gehe auch privat unheimlich gerne auf Rockkonzerte, aber ich mag Schubladendenken nicht. Ich höre auch Klassik oder mal die Mayrhofner oder die Zellberg Buam.

ÖMM: Du hattest kürzlich deinen ersten Auftritt mit Band. Wie war‘s?

Hannah: Back to the roots… auch das ist für mich eine Rückkehr und war ein brutal schönes Gefühl. Halbplayback und alleine auf der Bühne zu stehen, war nie so wirklich meins.

Foto: © Birgit Pichler

 

 

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