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Coverstory: Die Lauser

"Bei uns gibt‘s kein Plärren"

Seit siebzehn Jahren ziehen die Hinker-Brüder als Lauser durch die Lande. Was als Duo begann, ist heute nicht nur eine der erfolgreichsten, sondern dank ihrer Kilts auch auffälligsten Volksmusik-Bands des Landes. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums "SchottenRock" haben wir Andreas Hinker zum Interview gebeten und mit ihm über die Anfänge, ihre Musik und ihr Kultoutfit gesprochen.

"Wir sind eine Liveband, da gibt es kein Play drücken. Bei unseren Auftritten gibt es immer hundert Prozent Lauser. Da gibt’s kein Jammern und kein Plärren wenn einer von uns angekratzt ist, da wird durchgedrückt. Auch die ganzen Mediengeschichten sind uns nicht so wichtig, bei uns steht die Musik immer im Vordergrund", erzählt uns Andreas Hinker von den Lausern. Zu einem exklusiven ÖMM-Interview haben sich die steirischen Schottenrocker dann aber doch überreden lassen. Denn, auch wenn die Lauser sich vor allem als Liveband sehen und an rund hundert Tagen des Jahres auf Bühnen in ganz Europa für gute Laune sorgen, haben die sechs Musiker endlich wieder ein neues Studioalbum aufgenommen. Die letzte Veröffentlichung "Highlanderzeit" liegt immerhin schon wieder unglaubliche drei Jahre zurück, eine überraschend lange "Pause" für die ansonsten so umtriebige Band. "Wir haben uns diesmal bewusst mehr Zeit gelassen als bei den letzten Alben", erklärt uns Andreas Hinker, "weil wir nicht nur Titel haben wollten, die daheim auf der CD gut klingen, sondern die noch musikalischer sind und sich auch live gut umsetzen lassen." Aus diesem Grund haben die Hinker-Brüder, Johannes Wruss, Markus Ponhold, Charly Raneg und Thomas Stückler diesmal extrem viel herumgebastelt und sich viele Gedanken über ihren Sound gemacht. "Wo passt der Dudelsack dazu? Bei den Oberkrainer-Nummern haben wir mit der E-Gitarre experimentiert, haben zweite und dritte Stimmen geschrieben und das war dann doch alles sehr aufwendig."

Seit Mitte April steht der neue Langspieler "SchottenRock" jedoch endlich in den Läden, der Titel sei laut Andreas Hinker übrigens gleich ein doppeldeutiges Wortspiel. "Er bezieht sich einerseits auf unser Bühnenoutfit, andererseits aber auch auf unseren Musikstil, der in den letzten zwei Jahren durch unseren Gitarristen Tom noch rockiger geworden ist." Wer jetzt allerdings denkt, die Lauser würden auf ihrem neuen Album ausschließlich die harten Saiten klirren lassen, der irrt, denn "SchottenRock" ist äußerst abwechslungsreich und hält auch einige satte Überraschungen parat. Bestes Beispiel dafür ist die neue Single "Vollgas Richtung Sommer", die man im ersten Moment überhaupt nicht den Lausern zuordnen würde. Ein astreiner Gute-Laune-Schlager für die kommenden Sonnenmonate. "Wir haben mit Markus Ponhold einen wirklich geilen Leadsänger und haben uns gedacht, warum wir seine Stimme nicht einmal etwas mehr ins Zentrum rücken und etwas machen, das vielleicht auch ins Tagesformat des einen oder anderen Radiosenders reinpasst. Es muss nicht immer der Dudelsack, eine E-Gitarre oder was Zünftiges sein und wer uns schon live erlebt hat, der weiß, dass wir eigentlich alles spielen können, auch Partyhits oder Schlager."

"Wir pflegen eigentlich immer unsere Beine, damit da alles gut ausschaut untenrum."

Die Inspiration für ihre Songs holt sich die steirische Band übrigens vor allem auf ihren Tourneen oder Anreisen zu ihren Auftritten. "Das Lied über den Lauser-Wein ist beispielsweise beim Oktoberfest in Poreč entstanden. Da haben wir einen kroatischen Rotwein getrunken", plaudert Andreas Hinker aus dem Nähkästchen, "und dann ist uns die Idee gekommen, warum wir uns eigentlich nicht einen eigenen Wein machen, da der Johannes von uns ja ohnehin Winzer ist. Er hat uns unseren Wunsch erfüllt und mittlerweile gibt es den Lauser-Wein schon zu kaufen und wir haben auch gleich noch ein Lied darüber geschrieben." Die Nummer "In Dubai san die Steirer los" sei wiederum von den beiden letztjährigen, internationalen Gastspielen inspiriert, als die Lauser für Auftritte in die Vereinigten Arabischen Emirate eingeflogen wurden. "Wir hatten zuerst gedacht, die Anfrage wäre ein Schmäh, aber das war dort dann so toll, dass wir nicht nur 2014, sondern auch 2015 engagiert wurden." Im Jahr davor waren die Lauser auch noch in den USA zu Gast, wo sie beim "Germanfest" in Milwaukee vor 100.000 Menschen spielen durften. Nur in Schottland sind die sechs Musiker überraschenderweise noch nie auf einer Bühne gestanden. "Das stimmt. Ich selbst war schon einmal in Edinburgh und habe mir dort einiges angeschaut. Whiskey-Verkostung, Kilt-Manufaktur, das wäre schon was für die Lauser", lacht Andreas Hinker im Gespräch mit ÖMM-Chefredakteur Daniel Gräbner. "Aber wer weiß, was noch kommt?" Vor siebenundzwanzig Jahren, als die Lauser von den beiden Brüdern Markus und Andreas Hinker gegründet wurden, wusste auch niemand wohin die musikalische Reise führen würde.

"Markus und ich haben damals als ‚Zwei Lauser‘ begonnen, weil wir für einen Auftritt einen Namen gebraucht haben. Unser Vater hat gesagt: ‚Dann nennt’s euch gleich zwei Lauser, weil ihr seid ja auch zwei Lauser‘. Ich war damals ja erst elf und der Markus sieben Jahre alt", erinnert sich Andreas an den Beginn der heutigen Erfolgsformation zurück. Der Wunsch eines Tages von der Musik leben zu können, war bei den beiden Brüdern schon damals vorhanden, dass dieser Traum jedoch auch in Erfüllung gehen würde, konnte man seinerzeit aber noch nicht ahnen. "Wir sind im Teenageralter aber wenig fortgegangen und haben unsere gesamte Freizeit in die Musik investiert. Geprobt, Auftritte, wir waren damals schon verhältnismäßig viel unterwegs. Geburtstagsfeiern, Maibaumaufstellen. Unter der Woche sind wir zur Schule gegangen und am Wochenende sind wir von einer kleinen Bühne zur nächsten gereist.

"1993 war dann der Startschuss für die Lauser, da ist unser Vater zu uns gestoßen. Der hatte davor noch wo anders gespielt und dann haben wir beschlossen, dass wir die Zahl weglassen, weil man ja nie weiß, ob aus den drei Lausern vielleicht auch noch mal vier oder mehr werden und dann müssen wir nicht jedes Mal den Namen ändern." Erfolgreich war das Familientrio zwar damals schon, bis zum großen, kommerziellen Durchbruch sollten jedoch noch zwölf Jahren vergehen. Als Vater Hinker 2005 pensioniert wurde, stieg er auch bei den Lausern aus und stellte damit die Weichen auf Umbruch. Ein Umbruch aber, der sich für die Lauser lohnen sollte. "Wir mussten uns einen neuen Musiker suchen. Kurz davor ist schon Markus Ponhold dazugekommen. Dann entdeckten wir durch Zufall auch noch den Kilt für uns und dann ist es plötzlich richtig losgegangen", so Andreas Hinker. Der Kilt, ja der Kilt. Obwohl sich das schottische Kleidungsstück zunächst nur auf die Optik der Lauser auswirkte - der Dudelsack wurde erst etwas später in die Produktionen eingebaut - verschaffte es den Lausern einen richtigen Karriereschub. "Damals war gerade Hochkonjunktur von Edelweiß und traditionellen Trachten. Wenn man allerdings auffallen will, dann muss man ein wenig anders sein und ich bin wirklich froh, dass wir mit den Kilts die ersten waren", erzählt Andreas Hinker. Dabei sei das neue Bühnenoutfit überhaupt nicht geplant gewesen, sondern eher einem Zufall geschuldet. "Wir waren damals für das ‚Wenn di Musi spielt‘-Frühlings-Open-Air in Gamlitz engagiert und der ORF-Redakteurin hatten unsere Oberteile nicht gepasst. Wir hatten weiße Oberteile mit, aber sie meinte, dass das mit dem Licht Probleme geben würde. Also sind wir in ein Modegeschäft gefahren und haben Oberteile gesucht und dort hat es zufällig auch Kilts gegeben. Die haben wir anprobiert, fanden das irgendwie ganz witzig und haben dann den Versuch gewagt, darin aufzutreten. Und heute sind sie unser Markenzeichen." Doch könnte es auch passieren, dass die Lauser irgendwann einmal nicht mehr in Schottenröcken auf der Bühne stehen? "Wir pflegen eigentlich immer unsere Beine, damit da alles gut ausschaut untenrum", lacht Andreas Hinker. "Nein, das ist nicht angedacht. Bislang gab es noch keinen Auftritt, wo wir uns gedacht hätten, dass wir lieber Hosen anziehen würden. Die Kälte ist zwar hin und wieder eine Herausforderung, aber wie schon erwähnt, bei uns gibt‘s kein Jammern und kein Plärren."

Fotos: © Peter Riedler

 

 

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