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Coverstory: Die jungen Zillertaler

"Wir führen ein Hammerleben"

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: Vor 22 Jahren wurden die jungen Zillertaler als kleine Volksmusikgruppe gegründet, heute begeistern sie mit ihrem Partysound tausende Menschen. Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums, haben wir mit Frontmann Markus Unterladstätter über die Anfänge der JUZIs, ihre neue CD und ihre oftmals zweideutigen Texte gesprochen.

"Geträumt haben wir natürlich schon davon, dass es einmal so gut funktioniert, aber wir haben es ganz ehrlich nicht erwartet. Wir waren immer fleißig und leben auch für die Musik, aber wir haben uns jetzt nie gesagt ‚wir müssen‘, sondern es hat sich einfach selbst so entwickelt und das ist das Schöne", erzählt uns JUZI-Frontmann Markus im exklusiven ÖMM-Interview. Vor 22 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der jungen Zillertaler, was mit Auftritten in kleinem Rahmen begann führte das Trio bis auf die größten Bühnen Europas. Wo sie herkommen haben sie bis heute nicht vergessen: "Wir haben sehr klein begonnen, haben anfangs auf Geburtstagsfeiern gespielt, vor 20 bis 25 Personen. Wenn wir heute bei einem Open-Air vor 6.000 Leuten spielen, dann wissen wir das deshalb natürlich noch mehr zu schätzen. Es gibt sehr viele nette Momente, die wir bis an unser Lebensende nicht vergessen werden, beispielweise an die erste goldene CD, die wir bekommen haben oder an unseren allerersten Fernsehauftritt. Das waren alles sehr bewegende und markante Punkte unserer musikalischen Laufbahn."

Begonnen haben Markus Unterladstätter, Daniel Prantl und Michael Ringler eigentlich als "Nachwuchsgruppe" der Zillertaler, mittlerweile konnten sie diese erfolgstechnisch aber sogar in den Schatten stellen. Standen die JUZIs anfangs auch noch mit klassischer Volksmusik auf der Bühne – die erste Goldene gab es 2007 für das volkstümliche Album "Tiroler Burschen" – so machten sie in den darauffolgenden Jahren einen stilistischen Wandel durch. Der Zillertaler Partysound wurde geboren, welcher dem Trio zwei Jahre später mit "So a schöner Tag (Fliegerlied)" den ganz großen Durchbruch bescherte. Das alte Kinderlied wurde in der JUZI-Version zum Stimmungskracher bei Zeltfesten und beim Après-Ski und das obwohl anfangs sogar die eigene Plattenfirma ihre Zweifel hatte. "Wir haben an den Titel immer geglaubt und waren fest davon überzeugt, dass eine moderne Fassung des Liedes funktionieren könnte. Unsere Plattenfirma hat uns damals aber sogar gesagt, dass wir das Lied nicht brauchen. Wir haben mit dem Label deshalb vereinbart, dass wir, wenn die Nummer nicht funktioniert, die Studiokosten selbst bezahlen müssen. Aber die Plattenfirma war dann sehr begeistert und überrascht als das Fliegerlied so ein Erfolg wurde", erinnert sich Markus lachend zurück. Seither läuft es bei den jungen Zillertalern so richtig, jede ihrer letzten vier CD-Veröffentlichungen wurde mit Edelmetall ausgezeichnet, außerdem konnten die drei 2012 noch den Austrian Amadeus Music Award in der Kategorie "Volkstümliche Musik" mit nachhause nehmen. "Es ist ein Kompliment und eine große Ehre wenn man solche Preise daheim stehen hat." Der Applaus des Publikums ist den jungen Zillertalern aber trotzdem noch um eine Spur wichtiger, das direkte Feedback der Fans, die strahlenden und zufriedenen Gesichter bei ihren Konzerten. Obwohl Markus, Daniel und Michael seit mehr als zwei Jahrzehnten auf der Bühne stehen und für über hundert Live-Termine jährlich gebucht werden, gab es deshalb noch keinen Abend, an dem sie Motivationsprobleme gehabt hätten oder lieber nicht aufgetreten wären. "Die Motivation kommt vor allem vom Publikum. Wenn wie im letzten Monat beim Donauinselfest tausenden Menschen vor uns stehen, dann bekommt man einfach einen wahnsinnigen Adrenalinschub. Außerdem ist für uns jeder Auftritt etwas Besonderes. Wir spielen auch nie ein fixes Programm, klar gibt es Lieder, die immer dabei sind, aber grundsätzlich stellen wir uns immer auf das Publikum ein und spielen dann entweder sehr poppig oder bei älterem Publikum auch schon mal das Kufsteinlied. Dadurch kommen wir gar nicht so in einen monotonen Trott", erklärt uns Markus das JUZI-Geheimrezept. Wenn die jungen Zillertaler auf der Bühne stehen, ist gute Laune garantiert und das sei auch bis heute das einzige Ziel, ihrer Musik. "Wenn man einfach mal den Alltag vergessen will, dann ist man bei unseren Konzerten richtig. Wir haben keine Texte, die die Welt verbessern werden, das kann man schon ganz ehrlich sagen, aber man sieht am Zustrom der Gäste und Fans, dass sehr viele Leute einfach mal diese ganzen Negativschlagzeilen aus dem Fernsehen und Radio vergessen möchten und deshalb zu uns kommen."

"Wenn man einfach mal den Alltag vergessen will, dann ist man bei unseren Konzerten richtig."

Kritische Stimmen, die behaupten, dass die JUZIS lediglich Partymusik machen würden und keinen Tiefgang hätten, werden zwar akzeptiert, aber auch trocken ignoriert. "Diese Leute müssen dann eben zu einem Klassikkonzert gehen. Aber ganz ehrlich, im aktuellen Popbereich sind die Texte unter Anführungszeichen noch primitiver als bei uns. Oder auch ältere Nummern, zum Beispiel ‚Country Roads‘, das jeder kennt, liebt und mitsingt. Einen Tiefgang hat das Lied doch beim besten Willen auch nicht", grinst Markus Unterladstätter im Gespräch mit ÖMM-Chefredakteur Daniel Gräbner. "Es ist längst unser Markenzeichen, dass wir Lieder haben, die man sich schnell merkt und leicht mitsingen kann. Eingängige Melodien, ein moderner Sound, vor allem dieser Synthesizer-Bass ist typisch für uns, aber trotzdem immer mit Akkordeon und akustischer Gitarre. Und natürlich auch unsere zweideutigen Texte. Wir dürfen uns diesbezüglich sogar ein wenig mehr erlauben als viele unserer Kollegen, weil wir uns das über die Jahre so aufgebaut haben. Wenn man beispielsweise unseren Song ‚Tannenzapfenzupfen‘ (2006) hernimmt, dann muss man klar sagen, dass es nicht unbedingt üblich ist, dass so eine Nummer im Radio oder Fernsehen gespielt wird, aber von uns wird’s gespielt." Dennoch gibt es eine klare Grenze, die die JUZIs niemals überschreiten würden. Vulgäre oder billige Texte wie man sie teilweise bei deutschen Ballermann-Sängern findet, wird es von den jungen Zillertalern nie zu hören geben. "Unsere Lieder müssen immer jugendfrei sein, weil wirauch ganz viele Kinder als Fans haben. Dieser Situation sind wir uns sehr wohl bewusst, aber ein Augenzwinkern ist okay, außerdem sagen wir immer: Schlimm ist nur, wer Schlimmes denkt."

Das gilt selbstverständlich auch für das brandneue JUZI-Album "Hammer", welches in wenigen Tagen in den Handel kommt. Zwölf Monate lang wurde wieder an neuen augenzwinkernden Texten und neuen Sounds getüftelt, die Ideen dafür kommen dem Trio vor allem im Alltag. "Wir gehen sehr offen durchs Leben, sind sehr viel unterwegs und dann sitzt man irgendwo, sieht irgendwas und plötzlich fällt einem von uns etwas für eine neue Nummer ein oder wir hören einen alten Song wie ‚Gute Freunde‘, den vor 55 Jahren mal der Beckenbauer gesungen hat, und nehmen ihn im fetzigen JUZI-Sound auf." Und der Albumtitel war diesmal für die JUZIs auch schnell gefunden. "Hammer passt einfach total zu unserer Lebenseinstellung, wir haben eine Freude an der Musik und dürfen ein Hammerleben haben, weil wir unser Hobby zum Beruf machen konnten. Es gibt viele Hammersachen, Hammerfrauen, wir haben Hammerfans und die neue Platte ist ein Hammeralbum."

Fotos: © Blickfang Photografie Innsbruck, SchwaighoferART, Günter Kresser

 

 

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