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Fräulein Mai

Heile Welt der Fünfziger

Als englischsprachige Popsängerin stand Missy May mehr als zehn Jahre lang erfolgreich auf der Bühne, nun schlägt die gebürtige Wienerin als Fräulein Mai ein neues Kapitel auf. Mit von den fünfziger Jahren inspirierten Melodien und deutschen Texten will die 30-Jährige für gute Laune sorgen. Wir haben Fräulein Mai zum ÖMM-Interview gebeten...
 
ÖMM: Du warst jahrelang mit englischsprachiger Popmusik erfolgreich unterwegs, warum nun der plötzliche Wechsel?

Fräulein Mai: Das ist ja nicht von heute auf morgen passiert, sondern war ein schleichender Prozess. Wir haben angefangen, an einem neuen Album zu arbeiten. Das war am Anfang auch noch auf Englisch und dann haben wir mal Deutsch ausprobiert und dabei habe ich gemerkt, dass mir Deutsch eigentlich mehr liegt und ich mich in meiner Muttersprache auch viel mehr einbringen kann und so haben wir beschlossen auf Deutsch weiterzumachen.

ÖMM: Deinen Künstlernamen hast du dafür auch gleich geändert...

Fräulein Mai: Missy May war ein ganz anderer Mensch und eine ganz andere Musik. Es hat mich sehr lange begleitet, aber jetzt bin ich erwachsen und Fräulein Mai ist quasi die erwachsene Version von Missy May. Im Endeffekt haben wir Missy May ja einfach nur verdeutscht, weil Missy May ja nichts anderes bedeutet als Fräulein Mai.

ÖMM: Aber geh (lacht).

Fräulein Mai: Fräulein ist für mich zeitlos, das kann auch eine 80-Jährige Pensionistin sein, das ist das Schöne an dem Wort.

ÖMM: Davon bist du mit deinen 30 Jahren aber noch weit entfernt (lacht). Dennoch hast du dich für die Musik der Fünfziger entschieden, wie kam es dazu?

Fräulein Mai: Ich wollte es gerne mit Musikelementen der fünfziger Jahre machen, weil die Musik damals unheimlich schön war. Wir hatten in meiner Kindheit nur einen Fernseher mit ORF 1 und ORF 2 und ich durfte nur sonntags, gemeinsam mit meinen Papa, fernsehen. Da gab es die Auswahl zwischen Sport und Heimatfilm und ich habe mich dann für zweites entschieden. Das waren total schöne Momente zwischen meinem Papa und mir und vielleicht mag ich diese Filme deshalb so sehr. Ich habe das übertriebene Schauspiel als Kind geliebt, außerdem hat immer irgendjemand gesungen (lacht).

ÖMM: Deine Inspiration waren also eher die deutschen Fünfziger und nicht Elvis & Co.?

Fräulein Mai: Definitiv. Peter Alexander, Peter Kraus, Conny, das weiße Rössel am Wolfgangsee usw. Meine erste große Liebe war Roy Black, der war zwar nicht mehr in den Fünfzigern, aber diese Schiene habe ich immer gerne gehabt und ich wollte diese Elemente unbedingt drinnen habe. Ich wollte ein Album, das locker flockig und nicht so ernst ist, denn wir leben in einer Zeit, die so unpackbar ernst ist und in der in den Nachrichten eine Wahnsinnsmeldung auf die nächste folgt. Ja, mein Album ist happypeppy und heile Welt, aber vielleicht zaubert es dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht und genau das soll es machen. Gute Laune, so wie die Heimatfilme damals auch.

ÖMM: Also hast du einfach gesagt "das mache ich jetzt" oder wie ist dein neuer Sound zustande gekommen?

Fräulein Mai: Einfach wäre übertrieben. Ich hatte zwischenzeitlich eine totale Sinneskrise, weil ich nicht wusste, ob ich überhaupt noch Musik machen möchte. Ich habe es sogar probiert, konnte aber einfach nicht damit aufhören. Das Schlagereske entstand dann eigentlich durch Zufall, weil ich im Studio zum Aufwärmen gerne Michelle oder Peter Alexander gesungen habe. Ich hatte eine Zeit lang aber Angst, weil ich nicht wusste, ob ich so etwas machen kann, da ich bis dahin doch ganz andere Musik gemacht hatte. Das ist schon ein wahnsinniger Einschnitt, wenn man als Künstler plötzlich etwas komplett Neues macht. Ich bin dann tatsächlich für ein Jahr verschwunden und habe darüber nachgedacht und dann, das ist eine wahre Geschichte, bin ich eines Tages auf der Mariahilfer spazieren gegangen und dachte mir, jetzt ist der richtige Zeitpunkt und bin an einem Nachmittag bei meinen Produzenten reingekracht und habe gesagt: Jetzt wär‘ ich dann soweit (lacht).

Foto: © Felicitas Matern

 

 

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