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Coverstory: Helene Fischer

„Ich hatte euch schon vermisst“

Nach einem Jahr ohne neuem Album und ohne großer Tournee ist Helene Fischer nun endlich wieder da! In unserer ÖMM-Coverstory blicken wir sowohl zurück als auch in die Zukunft des deutschen Schlagerstars.

Sie ist wieder da, Helene Fischer. Waren ihre großen TV-Shows zu Weihnachten in den vorangegangenen Jahren lediglich die Sahnehäubchen von ohnedies mit unzähligen Highlights gespickten Monaten, so stand die letztjährige „Helene Fischer Show“ unter einem anderen Stern. Abgesehen von einigen wenigen Auftritten, wie beispielsweise bei der ECHO Preisverleihung, stand die Schlagerprinzessin 2016 kaum auf der Bühne. Kein Album, keine Tournee, stattdessen nahm sich die 32-Jährige eine Auszeit. Die angesprochene Sendung am letzten Christtag war deshalb eine besondere, denn es war Helene Fischers großes Comeback. „Es ist herrlich, wieder bei euch zu sein. Ich hatte dieses Gefühl schon ein bisschen vermisst“, stellte die Sängerin gleich zu Beginn klar und sog die Energie des grölenden Publikums in den darauffolgenden drei Stunden förmlich wie ein Schwamm auf. „Ich weiß aber, dass mich auch meine Fans vermisst haben. Bei einem Auftritt Ende Oktober – da war ich gerade einmal sechs Monate nicht im Fernsehen zu sehen gewesen – trugen sie schon T-Shirts mit dem Aufdruck ,Welcome back‘“, erzählte Helene Fischer kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift Bunte. Bereuen würde sie ihre Pause allerdings nicht, denn seit ihrem raketenartigen Aufstieg hatte das Schlagersternchen kaum bis gar keine Zeit zum Verschnaufen. „Es war das erste Mal in zehn Jahren, dass ich so richtig durchatmen konnte, was mir unheimlich gut getan hat. Ich weiß jetzt, dass es ganz wichtig und schön ist, sich auch mal eine Auszeit zu nehmen, um private Momente zu genießen.“

Zehn Jahre, unglaublich aber wahr. Im Mai 2005 hatte Helene Fischer ihren allerersten Fernsehauftritt in Florian Silbereisens Show „Hochzeitsfest der Volksmusik“, im darauffolgenden Februar erschien mit „Von hier bis unendlich“ ihr Debütalbum. Dass Helene Fischer ein Jahrzehnt später zu den bestverdienensten und populärsten Sängerinnen Europas zählen würde, war damals noch nicht absehbar. Nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums ließ sich allerdings schon ein Trend erahnen, denn die junge, blonde Sängerin wurde für „So nah wie du“ (2007) nicht nur schon nach kürzester Zeit mit Platin in Österreich und Gold in Deutschland ausgezeichnet, sondern sie schaffte auch etwas, dass vor ihr Jahrzehnte lang niemandem mehr gelungen war: Helene Fischer zog mit ihrem Schlager auch jugendliche Hörer in ihren Bann. Die angestaubte Musik aus den Lautsprechern der Großeltern war plötzlich cool, jung, dynamisch und unglaublich sexy. Doch das war erst derAnfang. Bevor die im russischen Krasnojarsk geborene und in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Entertainerin zum ganz großen Wurf ausholte und mit „Atemlos durch die Nacht“ auch noch den Charts-Thron der Popwelt beanspruchte, eroberte Helene Fischer zunächst die Schlagerszene wie im Sturm. Ab der Veröffentlichung ihres vierten Albums „So wie ich bin“ (2009) gab es kein Halten mehr. Ein Höhepunkt folgte auf den nächsten, ausverkaufte Tourneen, Preise wie die „Krone der Volksmusik“, die Goldene Henne und der ECHO sowie Platin-Auszeichnungen und Nummer-eins-Platzierungen wurden langsam zum Alltag der jungen Sängerin. 2011 gelang ihr mit ihrer fünften Produktion „Für einen Tag“ sogar der Sprung an die Spitze der niederländischen Charts sowie Top-20-Platzierungen in Belgien (7.) und Dänemark (19.). Warum ausgerechnet sie solch einen Schlager-Boom auslöste, konnte Helene Fischer schon seinerzeit nicht nachvollziehen. „Ich kann es mir selbst nicht erklären, aber es ist auch eine Frage, die ich mir gar nicht stelle“, sagte sie damals in einem Interview. Rückblickend betrachtet, waren all diese Erfolge gar nichts im Vergleich zu dem was in den Jahren darauf noch passieren sollte.

„Es stehen mein neues Album und die große Tournee an. Ich weiß, dass da einiges auf mich zukommt.“

Am 04. Oktober 2013 erschien Fischers Album „Farbenspiel“, das nicht nur als erstes in ihrer Karriere in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Platz eins einstieg, sondern auch ein bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekanntes Lied namens „Atemlos durch die Nacht“ beinhaltete. Eigentlich hatte Schlagersängerin und Texterin Kristina Bach die Nummer für ihr eigenes Album geschrieben, auf Anfrage von Helene Fischer hat sie das Lied dann aber doch der blonden Schlagerprinzessin überlassen. Ende November wurde der Song als Single veröffentlicht und sorgte zunächst vor allem in Après-Skihütten für Stimmung. Im Laufe des Jahres 2014 entwickelte sich „Atemlos“ jedoch immer mehr zum allgemeinen Radio- und Partyhit. Anfang Februar belegte der Song Platz eins der österreichischen Single-Charts, in Deutschland wurde er im Sommer dann auch noch zum inoffiziellen WM-Hit der deutschen Nationalelf und kurbelte den Hype um Helene Fischer weiter an. Diamant-Auszeichnungen für Single und Album in Deutschland, Doppel-Platin und 18-fach-Platin in Österreich. „Es ist unglaublich schön, ich habe wahnsinnig viel Glück“, kommentierte sie damals diese sensationellen Erfolge. 2015 ging Helene Fischer dann auch noch auf Stadion-Tournee, welche insgesamt von rund 800.000 Fans besucht wurde. So schön diese Meilensteine für die Sängerin auch waren, es war auch eine anstrengende Zeit. Die letztjährige Auszeit war deshalb dringend notwendig. „Da für 2016 kein neues Album geplant war, sind wir es einfach etwas ruhiger angegangen. Und das war auch wichtig für mich“, erklärte sie im Dezember in einem Gespräch mit der Deutsche Presse Agentur. „Es gab schon Tage, an denen ich Lust gehabt hätte, mal wieder auf der Bühne zu stehen. Von mir aus auch ohne viel Aufwand, nur meine Band und ich. Ich habe zwar Musik gemacht, aber nicht in der Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite habe ich es aber auch sehr genossen, einmal nicht im Rampenlicht zu stehen. Einfach mal in Jeans, T-Shirt und Pulli rauszugehen, ohne mir Gedanken über mein Outfit machen zu müssen.“

Im neuen Jahr will Helene Fischer nun aber wieder so richtig durchstarten und blickt deshalb mit Vorfreude auf die kommenden Monate. „Es stehen mein neues Album und die große Tournee an. Ich weiß, dass da einiges auf mich zukommt. Ich lasse mich aber nicht unter Druck setzen. Weder von anderen noch von mir selbst. Vielleicht habe ich auch gut reden, weil sowieso gerade alles gut läuft. Ich weiß aber auch, dass irgendwann eine Phase kommen wird, wo der Hype abnimmt und die Leute nicht mehr durchdrehen werden bei allem, was ich mache“, sagt die 32-Jährige. Infos zum „Farbenspiel“-Nachfolger gibt es bislang so gut wie keine, selbst der Titel des neuen Albums ist noch unbekannt, man darf aber davon ausgehen, dass es noch internationaler und noch poppiger klingen wird. Ob Helene Fischer diesmal sogar noch einen drauflegen kann, werden wir hoffentlich schon bald sehen. „Ich hoffe, dass es funktioniert, dass alles so aufgeht, wie ich mir das vorstelle. Und dass wir wieder den ‚Nerv‘ der Menschen treffen."

Fotos: © Kristian Schuller, Sandra Ludewig

 

 

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