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Melissa Naschenweg

„Kraut und Ruabn“

Sie ist die Aufsteigerin des Jahres und begeistert mit ihrer pinken Harmonika immer mehr Leute. Wir haben Melissa Naschenweng im Rahmen des Steirischen Bauernbundballs zum Interview getroffen und mit ihr über ihre Musik, ihre Harmonika und ihren Namen gesprochen.

ÖMM: Wir verfolgen deine Karriere schon seit einigen Jahren, der große Durchbruch ist dir allerdings erst im Vorjahr geglückt. Hast du dafür eine Erklärung?

Melissa Naschenweng: Ich habe anfangs nebenbei noch studiert, übrigens sogar hier in Graz, und habe es dann vor zweieinhalb Jahren gelassen, um mich hauptberuflich der Musik widmen zu können. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich dann erst voll reingehängt, davor war das nicht möglich. Ein Jus-Studium verlangt einem aber sehr viel ab und es ist sich dann einfach nicht mehr ausgegangen. Ich war irgendwo auf der Bühne, im Auto habe ich gelernt, dann musste ich wieder nach Graz. Zum Glück ist meine Familie da hinter mir gestanden und hat mich darin unterstützt, die Musik hauptberuflich zu probieren.

ÖMM: Mittlerweile läuft es bei dir sehr gut, die Entscheidung hat sich also gelohnt oder?

Melissa: Auf jeden Fall, ich bin mit der Entwicklung auch sehr happy. Weil du angesprochen hast, dass mir der Durchbruch erst jetzt langsam gelungen ist: Ich bin da sogar froh darüber. Ich finde man sollte Schritt für Schritt gehen und dann immer schauen, ob man den einen Schritt auch steht und nichts überhudeln. Du musst dir vorstellen, ich komme aus dem Lesachtal, da war schon Graz für mich solch eine Großstadt, ich habe die Leute auf der Straße gegrüßt und habe nicht verstanden warum mich keiner zurückgegrüßt hat (lacht). Ich denke, dass ich die Zeit darum auch gebraucht habe, um in das Ganze hineinzuwachsen.

ÖMM: In deiner Biografie steht, dass du schon vor 20 Jahren die Liebe deines Lebens gefunden hast...

Melissa: Früh angefangen, ge? (lacht) Mein Opa spielt schon seit Ewigkeiten auf der Steirischen und hat früher in seiner Berghütte am wildromantischen Wolayersee immer die Leute unterhalten. Mein Papa ist dort oben aufgewachsen und hat dann auch früh zu spielen begonnen und wie ich auf der Welt war, war für mich auch schnell klar: ich will das auch, denn es ist ein Wahnsinn was dieses einzelne Instrument so bewirken kann. Zu meinem sechsten Geburtstag habe ich dann schon eine Steirische gekriegt, eine ganz kleine dreireihige und ich habe mich sofort verliebt.

ÖMM: Und seitdem passt alles?

Melissa: Die erste Krise haben wir gehabt als ich 13 war, weil ich das einzige Mädl war, das auf einer Steirischen gespielt hat und dadurch war ich irgendwie voll uncool (lacht). Mein Papa hat dann gesagt, dass ich das tun soll was ich als cool empfinde und dann war die Ziehharmonika vielleicht eine Woche im Kasten und danach haben wir uns wieder versöhnt. Mit 20 gab es dann noch eine optische Änderung, in meine Lieblingsfarbe Pink und dadurch ist die Harmonika dann endgültig ladylike geworden. Und der Opa und der Papa spielen auch nicht damit, weil sie eine pinke lieber nicht angreifen (lacht).

ÖMM: War für dich eigentlich immer klar, dass du unter deinem bürgerlichen Namen auf der Bühne stehen willst?

Melissa: Es hat von ein paar Seiten die Überlegung geben, weil Naschenweng viel zu lang sei und es sich kein Mensch merken würde, aber ich habe schon immer den Gedanken gehabt, dass wenn ich meinen Namen irgendwie mit einer Süßigkeit in Verbindung bringen könnte, ihn sich die Leute auch merken werden. Und mittlerweile gibt es echt Melissenlutscher, die heißen „Nasch aweng“ (lacht).

ÖMM: Du hast musikalisch sehr volkstümlich und brav begonnen, dein neues Album ist viel moderner. Ist das der Lauf der Zeit?

Melissa: Helene Fischer, Andreas Gabalier, zum Teil ist es schon so modern, das hätte man vor zehn Jahren nie im Schlager eingeordnet. Für uns Junge ist das aber ein tolles Zeichen und eine Gelegenheit zu experimentieren, was mir extrem viel Spaß macht. Wie der Titel schon sagt, es ist „Kunterbunt“, es geht wild zu, richtig Kraut und Ruabn, aber es ist immer eine Ziehharmonika mit dabei. Es darf ruhig auch mal poppig oder dancemäßig klingen. Aber ich habe auch einen traditionellen Boarischen drauf, weil mein Opa immer gesagt hat, dass ich nie meinen Ursprung vergessen soll. Den „Wadlboarischen“ vom Album habe ich deshalb ihm gewidmet, weil er liebt Boarische und das aus einem ganz witzigen Grund. „Das war die einzige Möglichkeit zum Partnerwechsel“ hat er mir erklärt (lacht).

Foto: © Dieter Kulmer

 

 

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