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Thomas Anders

„Das gefällt mir“

Der einstige „Modern Talking“-Star hat im April sein erstes deutschsprachiges Album veröffentlicht. Wir haben Thomas Anders deshalb zum Interview gebeten.

ÖMM: Nach über vierzig Jahren im Musikgeschäft hast du nun dein erstes deutschsprachiges Album veröffentlicht. Warum?

Thomas Anders: Warum nicht? (lacht) Letztendlich ist es keine Schnapsidee, die mir irgendwann in der Nacht gekommen ist, denn ich denke schon seit rund vier Jahren darüber nach, etwas in Deutsch aufzunehmen. Es hat sich dann immer mehr konkretisiert, das war so ein langsames Herantasten an die gesungene deutsche Sprache.

ÖMM: Du hast allerdings vor Modern Talking schon einmal auf Deutsch gesungen, warum wurde dann auf Englisch gewechselt?

Thomas Anders: Als ich damals in deutscher Sprache sang, war es nicht sehr erfolgreich, das muss ich fairerweise so ehrlich sagen, auch wenn die damaligen Verkäufe in der heutigen Zeit sogar sehr gut wären. Da sieht man wie sich die Zeiten ändern. Ich habe damals mit einer Single 30.000 Einheiten verkauft, damit wäre man heute Nummer eins, damals ist sie nicht mal in die Charts gekommen. Zurück zu deiner Frage. Ich habe damals zu Dieter gesagt, dass ich auch mal gerne Englisch ausprobieren würde, aber er war sich diesbezüglich gar nicht so sicher, weil es als deutscher Künstler mit englischsprachiger Musik immer schwierig ist. Eines Tages im Studio meinte er dann aber: „Ich habe einen Song geschrieben, der heißt ‚You’re My Heart, You’re My Soul‘, hast du vielleicht Lust, den noch einzusingen.“ Und der Rest ist Musikgeschichte.

ÖMM: Und danach hast du nie wieder darüber nachgedacht, etwas auf Deutsch aufzunehmen?

Thomas Anders: Die deutsche Sprache hat sich ja sehr verändert, also die gesungene deutsche Sprache. Erst vor zehn, zwölf Jahren kamen die ersten Acts wie Xavier Naidoo oder Silbermond und die haben die deutsche Sprache ganz klar verjüngt. Das hat ja mit den alten Schlagern überhaupt nichts mehr zu tun und das hat es für mich jetzt sehr interessant gemacht. Es war aber für mich auch eine Kopfsache, da ich weltweit unterwegs bin und ich mir da natürlich die Frage gestellt habe, ob ich ein deutschsprachiges Album aufnehmen will. In den letzten Jahren hat sich das aber entwickelt und ich bin mit dem Endprodukt jetzt sehr zufrieden.

ÖMM: Unabhängig von der Sprache, du bist dafür bekannt, dich immer wieder musikalisch neu zu erfinden. Ist das wichtig, um so lange Zeit so erfolgreich sein zu können?

Thomas Anders: Ich weiß nicht, ob das generell notwendig ist, aber für mich ist das sehr wichtig. Dieses Album ist jetzt mein 24. oder 25. Album, das ich aufgenommen habe. Dass man in einer Laufzeit von über dreißig Jahren gerne mal neue Musik ausprobiert und sich vielleicht auch selbst herausfordert und sich an die Grenzen bringt, ist für mich ganz normal, ich brauche das. Es würde mich langweilen, dreißig Jahre lang die gleiche Musik zu singen. Im mag Herausforderungen. Als ich die Entscheidung getroffen hatte, wieder auf Deutsch zu singen, stellte sich für mich natürlich zu allererst die Frage: Wie mache ich das jetzt? Was denn genau? Gehe ich eher in diese Singer-Songwriter-Schiene oder mache ich brutalst Schlager oder gehe ich doch eher in die Pop-Richtung? Das musste ich erstmal ausprobieren.

ÖMM: Wie kann man sich das genau vorstellen?

Thomas Anders: Wir haben einige deutschsprachige Künstler, ich werde jetzt keine Namen nennen, aber das sind keine hervorragenden Sänger, sondern da machen eher der Text und die Form der Melodien die Musik erfolgreich. Ich habe aber festgestellt, ich brauche meine Stimme und ich bin jetzt auch kein Protesthansel, der in seinen Liedern politische Themen ausdiskutiert oder mit seinen Texten die Welt verbessern möchte. Es soll bei mir einfach Unterhaltung sein, dazu stehe ich und deshalb hätten viele Genres einfach nicht zu mir gepasst. Wir haben in Songwriting-Sessions vieles ausprobiert, aber speziell die Singer-Songwriter-Richtung wäre einfach nicht authentisch Thomas Anders. Ich kann dir ein Beispiel nennen. Ein Mann, den ich unglaublich geschätzt habe, aber leider nie kennenlernen durfte, war Roger Cicero. Das war ganz tolle Musik, aber die Art und Weise wie er gesungen hat, mit dieser leichten Süffisanz, so sehe ich mich nicht und auch nicht meine Fans.

ÖMM: Auf Englisch wäre es wahrscheinlich eher Dance-Pop, auf Deutsch hat man dein neues Album prompt in die Schlagerecke gesteckt. Stört dich das?

Thomas Anders: Das ist nicht mein Problem, denn letztendlich sind es immer die Medien, die diese Schubladen aufmachen. Ich kann es verstehen, weil es für die Menschen leichter ist wenn man Vergleichsmöglichkeiten hat, aber ich kann persönlich nicht nachvollziehen, warum man da jetzt Pop-Schlager und Dance-Pop und Pop und Schlager braucht. Wenn man Leuten auf der Straße etwas vorspielt, dann gibt es nur zwei Kategorien: Das gefällt mir oder es gefällt mir nicht.

ÖMM: Dein Album trägt den klingenden Namen „Pures Leben“. Was bedeutet dieser Titel für dich?

Thomas Anders: „Pures Leben“ bedeutet für mich, reduziert, kraftvoll, positiv besetzt, einfach authentisch, schnörkellos, aber auch mit Höhen und Tiefen, so wie das Leben ist. Das soll das Album ausdrücken.

Foto: © Ben Wolf

 

 

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