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Johnny Logan

„Kein Schnulzensänger“

Vor dreißig Jahren gewann Johnny Logan mit „Hold Me Now“ zum zweiten Mal den Eurovision Song Contest. Wir haben in Graz mit ihm darüber gesprochen.

ÖMM: Verfolgst du den Eurovision Song Contest nach wie vor bzw. hast du den heurigen Sieg von Portugal gesehen?

Johnny Logan: Ich hatte an dem Abend einen Auftritt, aber ich habe im Vorfeld einige der Beiträge gehört und mir danach auch noch ein paar Videos angesehen. Beim Siegertitel von Portugal wurde einfach nur gesungen, es gab kein Feuerwerk, keine Tänzer, keine Computergrafiken im Hintergrund und das fand ich persönlich sehr gut. Es ist immerhin der SONG Contest und in den vergangenen Jahren schien das ganze Drumherum viel wichtiger zu sein als der eigentliche Song.

ÖMM: Das stimmt, es geht mittlerweile immer mehr nur ums Geschäft...

Johnny Logan: Das ist nichts Neues, auch ich wurde nach meinem ersten ESC-Sieg mit „What’s Another Year“ (1980) von allen Seiten abgezockt. Mein Finanzberater meinte, ich müsse mir ein riesiges Haus kaufen, obwohl ich nur ein kleines wollte, bloß um mehr von der Steuer absetzen zu können. Schlussendlich musste ich es mit einem Verlust verkaufen, weil gar nicht so viel Geld reingekommen ist. Musikalisch wurde ich in Ecken gezwängt, es gab beispielsweise die Single „Save Me“, die ich gehasst habe. Ich hatte mich vier Monate lang geweigert, sie aufzunehmen, aber ich musste und sie ist gefloppt. Also wurde ich als One-Hit-Wonder abgestempelt, meine Karriere war zu diesem Zeitpunkt eigentlich vorbei. Nach dem Tod meines Vaters habe ich auch noch stark zu trinken begonnen. Es waren wirklich harte sieben Jahre bis zu „Hold Me Now“, aber ich habe nie aufgegeben und mich zurückgekämpft.

ÖMM: Mittlerweile sind weitere dreißig Jahre vergangen und dennoch sagst du über dein neues Album, dass es endlich die Platte ist, die du immer schon machen wolltest. Warum?

Johnny Logan: Ich habe mir auch danach oft reinreden lassen. Erst vor zwei Jahren ist mir so richtig bewusst geworden, dass mein größter Erfolg „Hold Me Now“ ist. Dieser Song stammte zu hundert Prozent aus meiner Feder, das war und bin ich, es war keine Coverversion und auch keine Fremdproduktion. Und so saß ich da und dachte mir, dass ich doch noch mehr solcher Songs in mir haben müsste und habe begonnen zu schreiben. Über zwei Jahre lang habe ich an diesem Album gearbeitet. Es ist voll mit Liedern und Texten, die mich berühren, voll mit sämtlichen Musikgenres, die ich liebe, von Rock’n’Roll über R&B bis hin zu Pop und Jazz. Ich bin stolz darauf. Wenn ich mal in Rente gehe, dann kann ich nun zurückblicken und sagen, dass ich ein Album nach meinen Wünschen aufgenommen habe.

ÖMM: Das stimmt, es ist ein sehr vielseitiges Album geworden...

Johnny Logan: Genauso vielseitig wie ich es bin. Es gibt ein irisches Sprichwort, das sagt:Sei immer du selbst, denn die anderen gibt es schon. Ich bin zu einem Teil selbst schuld, dass ich als Schnulzensänger wahrgenommen wurde, denn eigentlich wäre es meine Aufgabe den Leuten zu zeigen wer ich bin. Ich habe aber leider viel zu lange zugelassen, dass nach außen hin ein falsches oder sehr eindimensionales Bild von mir verkauft wird. Woher sollten die Leute dann wissen, dass ich eigentlich Vollblutmusiker bin? Ich habe Instrumente gespielt, lange bevor ich zu singen begonnen habe und war als Teenager in einer Soulband. Ja, ich liebe romantische Balladen, aber auch Rock‘n‘Roll, Cajun, Folk, ich verehre Tom Waits....

ÖMM: Singst du „Hold Me Now“ eigentlich noch gerne?

Johnny Logan: Solange es nicht in einer Karaoke-Bar ist, schon (lacht). Ich habe es vor Jahren mal in Thailand inkognito in einer Karaoke-Bar gesungen und habe Applaus erwartet, doch der Moderator meinte: ‚Naja, du musst noch ein wenig üben.‘ Seither meide ich Karaoke-Bars (lacht). Auf der Bühne performe ich „Hold Me Now“ aber immer noch sehr gerne. Es ist für mich ein sehr emotionales Lied, auch aufgrund der Vorgeschichte, die ich dir bereits erzählt habe. Es war damals eine „Win or lose it all“-Situation für mich, ich war am Boden und hätte ohne den Sieg vielleicht nicht mal meine Familie ernähren können. Es hätte das erste und einzige Mal sein können, dass ich das Lied performe, deshalb macht es mich glücklich, dass ich „Hold Me Now“ auch dreißig Jahre später noch auf einer Bühne singen darf. Auch meine Fans verbinden so viele Erinnerungen mit dem Song, es wäre ihnen gegenüber respektlos, würde ich ihn nicht singen.

Foto: © Manfred Baumann

 

 

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