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Coverstory: Die Grubertaler

„Wir haben als Hobby begonnen“

Vor 15 Jahren begannen die Grubertaler als volkstümliches Trio, mittlerweile zählen Florian, Michael und Reinhard Klingenschmid zu den erfolgreichsten heimischen Partyschlager-Acts. Anlässlich ihres Jubiläums haben wir die zum exklusiven ÖMM-Interview gebeten.

Vor wenigen Wochen standen die Grubertaler noch in Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate, auf der Bühne und fügten ihrer, in diesem Jahr, 15-jährigen Karriere ein weiteres Highlight hinzu. „Es war unsere insgesamt erst zweite Kreuzfahrt und etwas ganz Eigenes, das ganze Umfeld in Dubai. Wir waren auf der MSC Fantasia, es waren tolle Künstlerkollegen mit dabei wie der Nik P., ein ganz großes Vorbild von uns, also das war wirklich etwas ganz Besonderes“, schwärmen die Grubertaler. Im Rahmen dieser Kreuzfahrt zeichneten Florian, Michael und Reinhard Klingenschmid auch gleich eine DVD auf, welche Anfang Juni in den Handel kommt. Selbst vor dem weltbekannten Sieben-Sterne Hotel „Burj al Arab“ gaben die Grubertaler ein Konzert. „Es war natürlich unglaublich, vor so einer Kulisse ein Konzert zu spielen. Wir haben auch unseren Traditionsmarsch ‚Dem Land Tirol die Treue‘ gespielt und das war wirklich Gänsehautgefühl für uns.“

Erfolge und einzigartige Erinnerungen, die sich die drei Tiroler vor fünfzehn Jahren nicht einmal hätten erträumen lassen. „Niemals, wir haben angefangen, weil es uns Spaß gemacht hat, als Hobby“, blickt Florian Klingenschmid zurück. „Michael ist ja mein Bruder, unser dritter Mann, der Reini, ist unser Groß-Großcousin und wir haben uns als Gruppe zusammengeschlossen und dann ist das Schritt für Schritt nach oben gegangen. Wir haben damals auch gleich unser Management Hubert Knapp kennengelernt und unsere Plattenfirma MCP Sound und von da an ist es schön langsam dahingegangen. Die ersten Fernsehauftritte, Grand Prix der Volksmusik, Stadl, aber angefangen hatte es als reines Hobby.“ Musik zu machen ist im Tiroler Land nichts Ungewöhnliches, sondern Tradition und so haben alle drei im Volksschulalter eine Musikschule besucht und ein Instrument erlernt. „Irgendwann haben wir dann gesagt, dass wir das eigentlich auch gemeinsam in einer Gruppe machen könnten.“ Der Bandname war schnell gefunden, denn der stand bei den drei Musikern schon seit ihrer Geburt auf den Türschildern ihrer Elternhäuser, wie uns Florian erzählt. „Wir kommen alle drei aus der Tiroler Gemeinde Volders, von dort geht es hinauf auf den Volderberg und dort gibt es eine Grubertalstraße mit 20, 25 Häusern und dort sind wir aufgewachsen. Michael und ich in einem Haus, der Reini hat im Haus nebenan gewohnt und dadurch war für uns von Anfang an klar: Wir sind die Grubertaler.“ Als solche spielte das Dreigespann bei Geburtstagsfeiern von Verwandten und auf kleineren Festen, von einer Musikkarriere träumten die drei jungen Burschen aber trotzdem nicht. „Es hat uns einfach Spaß gemacht. Wir haben aber dennoch alle drei einen Beruf erlernt. Michael ist Mechaniker, der Reinhard Schlosser und ich bin Zimmermann. Das war uns sehr wichtig, dass wir da eine Sicherheit haben, falls es mit der Musik einmal nicht mehr laufen sollte – man weiß ja nie, in der heutigen Zeit – dass wir da auch ein zweites Standbein haben“, so Frontmann Florian im großen ÖMM-Interview. Lange Zeit blieb das Trio ihren Berufen auch treu bis es irgendwann einfach nicht mehr möglich war Berufsalltag und Musikkarriere zu verbinden. „Das war am Anfang schon sehr anstrengend und wir haben das über Jahre so gemacht. Vollzeit im Beruf, also wirklich von Montag bis Freitag in der Hack‘n und am Wochenende bei den Auftritten. Irgendwann haben wir dann aber gesagt, dass es einfach nicht geht, dass wir am Montag in der Früh in der Arbeit so hundemüde vom Wochenende sind. Das war weder für uns noch für unsere Arbeitgeber zufriedenstellend. Wir haben dann zunächst auf Teilzeit reduziert und nur noch Dienstag bis Donnerstag gearbeitet, aber irgendwann war auch das zu viel und mittlerweile widmen wir uns seit einigen Jahren ausschließlich der Musik.“

„Volksmusik ist bei uns im Tiroler Land Tradition, damit sind wir aufgewachsen.“

Ihren Durchbruch feierten die Grubertaler beim „Grand Prix der Volksmusik 2004“, bei dem sie in der österreichischen Vorausscheidung den zweiten und beim internationalen Finale den ausgezeichneten vierten Platz belegten. „Wir waren damals wirklich ein komplett unbeschriebenes Blatt, uns hat noch keiner gekannt. Wir hatten in Tirol ein paar Bälle gespielt und das war es dann auch schon. Dann bekamen wir die Möglichkeit beim Grand Prix mitzumachen und haben gleich so einen Spitzenplatz belegt, das war natürlich ein Wahnsinn für uns junge Buam. Das war ein Wahnsinnsprungbrett, viele Veranstalter sind dadurch auf uns aufmerksam geworden, deshalb finde ich es schon schade, dass es diesen Wettbewerb und diese Möglichkeit für junge Bands heute nicht mehr gibt.“

Mit ihrer Volksmusik waren die Grubertaler zwar durchaus erfolgreich, der ganz große Coup gelang den drei dann aber vor acht Jahren als sie mit „Die größten Partyhits“ ihr erstes Schlageralbum auf den Markt brachten. „Volksmusik ist bei uns im Tiroler Land Tradition, damit sind wir auch aufgewachsen, aber jeder der sich für volkstümliche Musik oder Schlager interessiert, der weiß, dass Partyschlager in den letzten Jahren einen extremen Aufwind gehabt hat, vor allem dank Künstlern wie Andreas Gabalier, Nik P. oder Helene Fischer. Die haben das gewaltig aufgewirbelt und ihnen ist auch mitzuverdanken, dass der Schlager heute einen tollen Stellenwert hat. Deshalb haben auch wir uns dieser etwas moderneren Schlagerart angenommen“, erzählt uns Florian. „Im Verkauf kann man das überhaupt nicht mehr vergleichen. Das Moderne verkauft sich viel, viel besser als das Traditionelle, wir haben für jede unserer Partyhits-Produktionen eine Goldene Schallplatte erhalten und dadurch fühlen wir uns eigentlich auch darin bestätigt, dass dieser Weg schon der richtige war. Mit solch einem Erfolg hätten wir jetzt aber trotzdem nicht gerechnet. Immerhin sind auf den Partyhits-CDs ja auch immer zur Hälfte Coverversionen drauf, Lieder die es seit Ewigkeiten gibt und dass man unsere Versionen so akzeptiert und mag, freut uns natürlich sehr.“

Außerdem mache die Partyschlager-Schiene dem Tiroler einfach irrsinnig viel Freude. „Es ist manchmal auch schön, beispielsweise einen Song von Nik P. singen zu können, von dem wir Riesenfans sind und der uns seit vielen Jahren unterstützt und schon bei unserer fünfjährigen Jubiläumsfeier mit dabei war. Natürlich freut es uns aber auch wenn auch der eine oder andere eigene Titel beim Publikum greift, was uns in den letzten Jahren zum Glück auch immer wiedergelungen ist.“ Dass über die Entscheidung, die Volksmusik hinten anzustellen, nicht alle Fans ganz glücklich waren, sei dem Dreigespann durchaus bewusst, allerdings sei bei ihren Konzerten immer eine „Ziacha“ mit dabei. „Speziell bei unseren Live-Auftritten legen wir sehr viel Wert darauf, nicht auf unsere Traditionen und unsere Wurzeln zu vergessen. Außerdem haben wir uns zum diesjährigen Jubiläum ins Studio begeben und für unsere Freunde der Volksmusik nach einigen Jahren mal wieder Boarische, Polkas und Walzer aufgenommen“, so Florian über das neue Volksmusik-Album „15 Jahre“ (VÖ: 02. Juni 2017). Bleiben zum Abschluss der ÖMM-Jubiläums-Coverstory eigentlich nur noch zwei Fragen offen: Wird es die Grubertaler auch in 15 Jahren noch geben und wo soll die Erfolgsreise eigentlich noch hingehen? „Ich hoffe, dass es uns noch ewig gibt. Wir sind seit 15 Jahren in derselben Besetzung unterwegs, mit demselben Management und derselben Plattenfirma und ich hoffe, dass es so weitergeht wie bisher und wir auch in 15 Jahren noch gebucht werden und wir unsere Lieder präsentieren können“, so Frontmann Florian. „Das Wichtigste ist dafür natürlich die Gesundheit, denn nur wenn jeder von uns gesund bleibt, können wir auch in 15 Jahren noch auf der Bühne stehen. Ansonsten soll die Reise einfach so weitergehen. Natürlich hofft jeder Musiker oder jede Band, dass vielleicht mal ein richtig großer Hit mit dabei ist, das wäre schon etwas Tolles, aber wir sind mehr als zufrieden und glücklich und wenn es so weitergeht wie bisher, dann täten wir das so nehmen.“

Fotos: © Pressefotos Hupo Concerts

 

 

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