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Coverstory: Die jungen Zillertaler

"Schlimm ist, wer Schlimmes denkt"

Im August findet in Strass im Zillertal bereits das 18. JUZI-Open-Air statt, außerdem erscheint im Juli mit „Halleluja“ auch ein brandneues Album. Wir haben uns deshalb mit Markus Unterladstätter zusammengesetzt und mit ihm über den Erfolg und die Musik der jungen Zillertaler gesprochen.

„Für uns ist diese Entwicklung natürlich wahnsinnig positiv, weil wir das eben schon fast immer so gemacht haben“, erzählt uns JUZI-Frontmann Markus Unterladstätter im großen ÖMM-Interview. Die Rede ist vom aktuellen Musiktrend, weg von der traditionellen Volksmusik hin zum volkstümlichen Partyschlager. „Es war eigentlich auch unser Erfolgsrezept, dass wir das Volkstümliche mit dieser Partykrachermusik kombiniert haben und daher ist das für uns jetzt überhaupt nichts Neues. Dass dieses Genre solch extreme Dimensionen annehmen würde wie es das jetzt tut und nahezu jeder Schlagerstar und jeder Volksmusikant mindestens einen Song im ‚JUZI-Style‘ hat, ist natürlich sehr cool für uns.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Gruppierungen sind die jungen Zillertaler allerdings nicht bewusst auf diesen Erfolgszug aufgesprungen, sondern waren vielmehr die Pioniere und Vorreiter, die die Schienen für diesen Zug gelegt haben. Als Markus Unterladstätter, Daniel Prantl und Michael Ringler vor 24 Jahren die jungen Zillertaler gegründet haben, spielten sie zunächst auch noch sehr urige Volksmusik. Ihr Debütalbum „Starke Idole (1997) lud mit Boarischen und Polkas noch mehr zum Schunkeln als zum Abfeiern ein, doch das sollte sich in den Folgejahren ändern. „Wir haben eigentlich jedes Jahr versucht uns weiterzuentwickeln und so sind wir in kleinen Schritten immer mehr von dem ganz Traditionellen weggegangen. Es war aber jetzt nie unser Plan oder Konzept, dass wir plötzlich Party-Volksmusik machen. Wir wollten einfach Musik machen, mit der wir bei unseren Live-Auftritten ordentlich Stimmung machen können und das hat sich dann so entwickelt. Da wir selbst noch relativ jung sind und auch sehr junges Publikum haben, haben wir in unserer Musik sehr moderne Sounds dabei und daraus ist die JUZI-Musik wie man sie heute kennt entstanden“, erzählt Markus Unterladstätter. Stimmt, denn immerhin waren die drei Musiker aus Strass im Zillertal damals erst Anfang zwanzig, da darf man ruhig noch etwas mehr auf den Putz hauen. Dennoch sollte es noch rund zehn Jahre dauern bis die JUZIs ihren Stil gefunden und den großen Durchbruch gefeiert haben. „Wir hatten damals beispielsweise auch ein Cover von ‚Das geht ab!‘ von den Atzen im Programm und gemeinsam  mit dem ‚Fliegerlied‘ waren das so die Wegbereiter für den heutigen Sound.“ Das angesprochene „So a schöner Tag (Fliegerlied)“ (2008) war ursprünglich ein Kinderlied, ging in der JUZI-Version aber wie eine Rakete durch die Decke und bescherte dem Tiroler Trio nicht nur Gold, sondern gleich Platin für mehr als 30.000 verkaufte Singles. „Es ist natürlich der Traum jedes jungen Musikers, dass man irgendwann eine Goldene Schallplatte bekommt – von Platin traut man sich eh gar nicht zu träumen – aber wir haben beides geschafft und das ist sensationell.“ Und wo hängen die ganzen Auszeichnungen eigentlich? „Meine haben bei mir in der Wohnung einen ganz speziellen Platz. Also ich will damit nicht angeben, deshalb hängen sie nicht gleich im Eingangsbereich, wo sie sofort ein jeder sieht“, lacht Markus, „sondern sie hängen in meiner Musiker-Ecke.“

Mit dem Sensationserfolg des „Fliegerlieds“ starteten die jungen Zillertaler so richtig durch und machten sich vor allem auch als Liveband einen Namen. Die drei Musiker geben bei ihren Auftritten immer Vollgas und verwandeln selbst das kleinste Festzelt in einen Partystadl. „Jeder hat Sorgen, Stress, private oder berufliche Problemchen und ich glaube, dass es sich jeder verdient hat, auch mal abschalten zu dürfen. Wenn ihr zu einem Konzert oder Open-Air von uns kommt, dann garantieren wir euch, dass ihr für zwei bis drei Stunden den Alltag vergessen werdet. Party, Spaß und Entertainment – dafür stehen wir mit unserem Namen“, so Markus im Gespräch mit ÖMM-Chefredakteur Daniel Gräbner. Das sei bei über hundert Live-Terminen pro Jahr zwar nicht unbedingt die leichteste Arbeit, dafür aber eine die den jungen Zillertalern unheimlich viel Spaß macht. „Wir haben das Glück, dass wir mit der Musik unterwegs sein dürfen. Natürlich ist man vielleicht nicht immer gleich gut drauf, aber sobald wir das Publikum und die begeisterte Menge sehen, die unsere Lieder singt, dann kommt die Motivation ganz von alleine. Musik machen ist ein wunderschöner Beruf, wir können Leute begeistern, Emotionen vermitteln und das ist eine tolle Sache.“ Wer schon einmal einen Auftritt der JUZIs miterlebt hat, der weiß, dass das kein leeres Versprechen und Promotion-Geplapper ist, sondern die Wahrheit. Wenn man allerdings ständig 300% gibt (Anmerk.: so hieß vor zwei Jahren ein Album des Trios) läuft man doch auch Gefahr, irgendwann nicht mehr zu können. „Nein, im Gegenteil. Unsere Motivation schöpfen wir zum Großteil auch aus unserem Erfolg und der hat in den letzten Jahren eher noch zugenommen. Aber auch unser Publikum und die vielen tollen Erlebnisse, die wir als JUZIs haben dürfen, motivieren uns und da sind wir weit entfernt von einem Burnout“, garantiert uns Markus im Gespräch. Allerdings sei Regeneration ein wichtiges Thema. „Da wir alle drei in den Bergen wohnen, sind diese natürlich die naheliegendste Energiequelle. Raus in die Natur, abschalten und für die nächsten Auftritte Kraft tanken. Mir persönlich ist aber auch die Familie sehr wichtig, daher versuche ich schon, dass ich die Zeit zuhause mit meiner Familie verbringen kann, auch wenn es manchmal nur ein halber Tag ist. Und zumindest bei mir ist es so, dass ich mich dann auch schon wieder auf die nächsten Konzerte freue. Das ist sicher optimal, wenn man beides gleich gerne macht, also sowohl das Heimkommen als auch das Musizieren auf der Bühne.“

„Party, Spaß und Entertainment – dafür stehen wir mit unserem Namen.“

Richtig Faulenzen gibt es zumindest bei Frontmann Markus Unterladstätter allerdings nicht. „Da bin ich persönlich nicht so der Fan davon, dafür bin ich viel zu kreativ und habe zu viele Ideen im Kopf herumschwirren, die ich gerne umsetzen würde, insofern sieht man mich eher selten auf der Couch liegen“, lacht er. Richtig abgeschaltet wird bei den jungen Zillertalern lediglich an zehn Tagen im Jahr, wenn im JUZI-Kalender ganz groß „Urlaub“ eingetragen ist. Diesen verbringen die drei Erfolgsmusiker jedoch traditionell nicht mitsammen, wie uns Markus verrät. „Wir machen so viele Dinge als JUZIs, sind auf Tournee, es gibt Kreuzfahrten mit uns, Skiwochenenden und Busreisen, also wir verbringen schon richtig viel Zeit miteinander. Den Urlaub verbringen Daniel, Michael und ich deshalb nicht gemeinsam, sondern jeder für sich. Ich glaube, das ist auch wichtig, dass jeder seine Privatsphäre hat und wir machen das wohl auch ganz richtig, immerhin sind wir in unserer Erstbesetzung seit 24 Jahren unterwegs.“

Wenn Markus, Michael und Daniel nicht unterwegs oder auf Urlaub sind, wird im Studio an neuer Musik gearbeitet. Fast jährlich bringen die JUZIs ein neues Album auf den Markt, keine leichte Aufgabe. „Das ist richtig viel Arbeit, das glauben viele gar nicht. Wir haben schon im September damit begonnen, Lieder für das Album zusammenzusuchen. Man probiert dann sehr viel, bekommt natürlich auch Demos von verschiedenen Komponisten und Textern, das waren alleine für diese Produktion an die 300 Stück und das ist dann gar nicht so leicht, daraus ein stimmiges Album zusammenzustellen. Wir haben uns sehr bemüht, dass wir wieder die richtigen Titel auf der Platte haben und ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Mischung gefunden haben. Es ist für jeden etwas dabei, Nummern zum Mitsingen, eingängige Melodien, tolle und auch witzige Texte.“ Vor allem letztere sind mittlerweile auch zum Markenzeichen der jungen Zillertaler geworden. „Das hat sich über die Jahre so entwickelt. ‚Auf der Bruck trara‘ (2005) war damals eines unserer ersten Lieder, das ein wenig zweideutig war und das ist bei den Leuten super angekommen, weil es witzig und unterhaltsam ist. Schlimm ist nur, wer Schlimmes denkt“, grinst Markus abschließend.

Fotos: © Angelo Lair

 

 

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