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Roland Kaiser

"Zurück zu meiner Quelle"

Wir haben die deutsche Schlager-Legende in Graz zum großen ÖMM-Interview getroffen.

ÖMM: Sie sind im Mai 65 geworden, mit sechsmonatiger Verspätung nachträglich alles Gute zum runden Geburtstag. Wie haben Sie gefeiert?

Roland Kaiser: Gar nicht. Ich feiere meinen Geburtstag nie, generell nicht. Schon als Kind habe ich es nicht gemocht, konnte mich aber nicht dagegen wehren und seit ich es selbst entscheiden kann, wird nicht gefeiert. Ich finde das nicht nötig, das zu feiern, das ist für mich ein Tag wie jeder andere auch.

ÖMM: Sie hatten vor einigen Jahren mit einer schweren Krankheit zu kämpfen, hatten sogar eine Lungentransplantation. Trotzdem kein Grund zum Feiern?

Roland Kaiser: Das schon, aber nicht an bestimmten Tagen. Ich kann mich dauerhaft darüber freuen, dass ich lebe, das tue ich auch, aber ich muss deswegen nicht feiern.

ÖMM: Es gibt den bekannten Spruch, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen. Ihr neues Album trägt den Titel „Stromaufwärts“. Inwiefern hat dieser Spruch mit dem Namen Ihres neuen Albums zu tun?

Roland Kaiser: Sie meinen, weil die Lachse stromaufwärts schwimmen, wo sie dann laichen und von den Bären erwischt werden (lacht). Nein, es ist ein Album mit meinen großen Hits, die in neuem Sound-Gewand und mit neuen Arrangements aufgenommen haben. Ich habe mich dafür also zurück zu meiner musikalischen Quelle begeben und deshalb sind wir stromaufwärts geschwommen.

ÖMM: Wie ist die Idee zu dem Album entstanden?

Roland Kaiser: In meinem Konzertpublikum sind mittlerweile so ziemlich alle Altersgruppen vertreten, also von den Großeltern über die Eltern bis hin zu den Enkelkindern. Von den Jungen waren viele bei meinen Hits wie „Santa Maria“ (1980) noch nicht einmal auf der Welt und darum wollte ihnen mit dem Album diese Lieder in der heutigen Klangform näher bringen, das war eigentlich die Idee dahinter.

ÖMM: Sie haben in Ihrer über 40-jährigen Karriere unzählige Lieder und Hits veröffentlicht. Wie schwierig war es für das Album die „richtigen“ Nummern auszuwählen?

Roland Kaiser: Das stimmt. Wir haben Titel ausgewählt, die in den Charts relativ hoch platziert waren und sich musikalisch gut umsetzen lassen. Ich denke, mein musikalischer Leiter Alex Wende und ich haben da eine sehr gute Mischung gefunden. Es macht keinen Sinn, ein altes Lied einfach nur neuaufzunehmen, wichtig war uns die klare neue Idee dahinter.

ÖMM: Es gab ja zwei Möglichkeiten, sprich, Sie hätten die Lieder möglichst originalgetreu neu einspielen oder eher experimentierfreudig an die Sache herangehen können. Wir hatten beim Anhören das Gefühl, dass Sie sich eher für letzteres entschieden haben, beispielsweise hat „Santa Maria“ nun Country-Einflüsse. Täuscht unser Eindruck?

Roland Kaiser: Wir haben uns bewusst so entschieden, da haben Sie Recht. Wir wollten nicht alle Titel dem Discofox unterordnen und die Originale einfach nur nachspielen, sondern wollten interessante, neue Versionen der Songs kreieren und das ist uns, in meinen Augen, sehr gut gelungen.

ÖMM: Andererseits könnte es natürlich auch sein, dass manchen Fans die Neuinterpretationen nicht gefallen...

Roland Kaiser: Man wird nie alle Menschen gleichermaßen zufriedenstellen können. Es wird immer welche geben, die sagen: ‚Wie konnte er nur. Warum hat er das jetzt geändert?‘ Damit muss man leben, aber das finde ich nicht schlimm, weil es niemandem gelingt, allen zu gefallen (lacht).

ÖMM: Das stimmt, obwohl man speziell bei Ihnen das Gefühl hat, dass Sie jedem gefallen, immerhin werden Sie gerne auch „der Gentleman des Schlagers“ genannt. Eine Bezeichnung, die Sie mögen?

Roland Kaiser: Diese ganzen Typisierungen kommen von den Medien. Man versucht immer Menschen in irgendwelche Schubladen zu stecken, damit man schnelle Schlagworte hat. Ich habe nichts dagegen, wenn man mich als Gentleman bezeichnet, dann aber bitte nicht nur des Schlagers, sondern generell im Leben. Aber diese Bezeichnung hat bestimmt auch mit meiner Kleidung zu tun. Ich trage sehr gerne Anzüge, Krawatten und Sakkos, das habe ich irgendwann von Jahren für mich entdeckt, weil ich das als sehr stilecht empfinde und mich darin sehr wohlfühle. Ob man durch einen Anzug automatisch gleich zum Gentleman wird, sollen andere entscheiden, nicht ich.

ÖMM: Letzte Frage. Zusätzlich zu den Neuinterpretationen, gibt es mit „Entschuldigung für nichts“ und „Wir geh‘n durch die Zeit“ auch zwei ganz neue Nummern. Was können Sie mir dazu erzählen?

Roland Kaiser: Dass sie mir gefallen, ansonsten hätte ich sie nicht aufgenommen (lacht). Die beiden Songs geben die Richtung für die Zukunft vor, also das ist der Sound, den man von mir zukünftig erwarten kann.

Foto: © Sandra Ludewig

 

 

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