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Coverstory: Nik P.

"Es ist einfach geil"

Vor zwanzig Jahren ist mit „Gebrochenes Herz“ Nik Ps erstes Album erschienen. Anlässlich des Jubiläums haben wir den Schlagerstar in Graz zum intimen Interview getroffen und mit ihm über seine musikalischen Anfänge und die Höhepunkte seiner bisherigen Karriere gesprochen.

„Dafür müssen wir aber sehr weit zurückblicken, denn das hat schon in meiner Kindheit begonnen“, grinst Nik P. als wir ihn in Graz zum großen ÖMM-Interview treffen. Wenige Augenblicke zuvor hatten wir dem Schlagerstar erzählt, dass wir diesmal kein gewöhnliches Interview machen möchten, sondern anlässlich des 20-jährigen Jubiläums seines Debütalbums eine kleine Zeitreise zurück zu seinen musikalischen Anfängen. Er nickt, lehnt sich ein wenig zurück und beginnt zu erzählen. „Mein Vater war Kosake und am ersten Sonntag des Monats hat er sich immer mit seinen Kosakenfreunden, die nach dem Krieg ebenfalls in Österreich geblieben waren, getroffen und da wurde Balalaika gespielt, gesungen und getanzt. Ich bin damals dabei gestanden und war davon total fasziniert. Diese  Schwermütigkeit und Traurigkeit und dann wieder diese Euphorie, das war für mich immer eine sehr emotionelle Geschichte, die ich schon als kleiner Bub  wahrgenommen habe. Da hat meine Begeisterung für Musik begonnen“, erinnert sich Nik P. Bis der gebürtige Friesacher selber musikalisch aktiv wurde, sollten allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Der Weg vom kleinen Kärntner „Zniachtale“ zum heutigen Megastar war ein sehr unebener und von zahlreichen Steinen geprägt. Der erste schwere Schicksalsschlag ereilte den jungen Nikolaus bereits im Alter von neun Jahren, mit dem Tod seiner Mutter. „Das war für mich furchtbar“, erzählt uns der Sänger. Zwei Jahre blieb er noch bei seinem russischen Vater, danach verschlug es ihn nach Straßburg, auf der Krassnitz. „Ich bin zu Zieheltern gekommen und das waren Bauern in einem Dorf. Dort ist den ganzen Tag nur Radio Kärnten gelaufen, also Peter Alexander, Heinz Conrads, Vicky Leandros usw. Ich habe mich nach dem Tod meiner Mutter ziemlich zurückgezogen, weil ich viele Dinge nicht verstehen konnte. Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass mich gewisse Lieder nicht nur sehr berührt und bewegt, sondern auch ein wenig aus der Realität geholt haben und das hat dann nicht nur die Begeisterung aus meiner frühen Kindheit zurückgebracht, sondern mich auch motiviert, mich immer mehr für Musik zu interessieren. Ich habe dann begonnen auf allen möglichen Dingen zu trommeln und zu muszieren, meine Mutter ist schon fast wahnsinnig geworden.“

In den sechziger Jahren waren es schließlich vier Musiker aus Liverpool, die Nikolaus Presnik endgültig zum Musizieren motivierten. Der weltweite Hype um John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr machte selbst vor den Kärntner Bergen nicht Halt. „Ich hatte damals einen Konzertausschnitt der Beatles im Fernsehen gesehen und da hat man gesehen wie sie auf der Bühne Gitarre spielen und in den ersten Reihen die ganzen Mädels kreischend umfallen. Das hat mich total fasziniert“, lacht Nik P. im ÖMM-Interview. „Du musst dir vorstellen, ich habe damals auf einem Bauernhof auf 1.000 Metern gelebt, das war für mich wie eine andere Welt. Ich habe mir daraufhin dann sogar einen Pilzkopf wachsen lassen. Im Dorf haben’s alle geschimpft, wie ich denn bloß ausschaue, aber ich war total stolz darauf.“ Nach der Pflichtschule begann Nik eine Lehre und investierte sein erstes selbstverdientes Geld sofort in den Kauf einer Gitarre. „Ich hatte keinen Unterricht oder jemanden, der es mir erklärt, ich habe daheim einfach probiert und geübt. Die ersten Lieder, die ich spielen konnte waren ‚Imagine‘ und John Lennons Version von ‚Stand By Me‘. Da sind die Mädels immer dahingeschmolzen, wenn ich das für sie gesungen habe“, grinst der heutige Schlagerstar. Allerdings waren es damals leider nur die Mädchen, die er mit seiner Musik überzeugen konnte – Plattenfirmen und Talentscouts wollten von dem Kärntner Sänger nichts wissen. „Ich habe mein Ziel zwar nie aus den Augen verloren, aber es war schon auch eine schwierige Zeit für mich. Ich bin zu Castings und Talentshows gefahren, bin überall aufgetreten, habe Demos produziert und an Plattenfirmen geschickt und habe wirklich alles versucht, aber es hat nie gereicht und das 15 Jahre lang“, erinnert sich Nik P. an die steinigen Anfänge seiner Karriere. Sein damaliger Firmenchef Klaus Bartelmuss – der nebenbei bemerkt, Jahre später auch noch Andreas Gabalier entdeckte – wurde auf einem Stadtfest auf die Musik von Nik P. aufmerksam. „Ich hatte dort einen Auftritt und ihm hat offenbar gefallen was ich gesungen habe. Er hat mich dann gefragt, ob ich die Lieder denn selber geschrieben habe und mir erklärt, dass er gerade ein Tonstudio baut, in dem ich dann mein eigenes Album aufnehmen könne“, erzählt uns Nik P. mit leuchtenden Augen. „Das war meine Chance, vielleicht meine letzte, ich war da ja immerhin schon 35 Jahre alt. Ich hatte ja aber überhaupt keine Ahnung von Musikproduktion und mir deshalb sofort unzählige Handbücher gekauft, über Produktionstechnik, Studio- und Tontechnik und mich tagtäglich in die Materie eingelesen. Ich habe am Mischpult herumprobiert, mich mit Andi Fabianek ausgetauscht, der dreifacher Tonmeister ist und von dem ich damals viel gelernt habe und dann habe ich dort in dem Studio tatsächlich selbst mein erstes Album aufgenommen.“ Ob Schlager, Rock oder Deutschpop – die Bezeichnung war Nik P. damals (wie auch heute noch) völlig egal. „Musikalisch war das einfach das was mir getaugt hat. Deutschsprachige Musik mit rockigen Gitarren und einem gewissen Punch. Damals haben alle gesagt, dass das nicht funktionieren werde, aber ich habe es trotzdem gemacht, weil ich mir sicher war, dass das den Leuten vor allem live taugen wird.“ Schlussendlich funktioniert es nicht nur auf der Bühne, sondern sogar im Radio. Seine erste offizielle Single „Gloria“ wurde gleich ein kleiner Hit, den Tag an dem Nik sich zum ersten Mal selber im Radio gehört hat, werde er laut eigenen Aussagen übrigens niemals vergessen. „Ich bin damals gerade mit dem Auto durch Teuffenbach gefahren. Zufälligerweise sind an einer Ecke ein paar Freunde von mir gestanden. Ich bin mit dem Auto hingeschossen, hab die Tür aufgerissen und geschrien: ‚Horcht’s wer da drin gespielt wird?‘“

Es war schon eine schwere Zeit für mich. Ich habe alles versucht, aber es hat nie gereicht und das 15 Jahre lang.

Nach so vielen Jahren harter Arbeit hatte es Nik P. endlich ins Radio geschafft. „Das war eine riesige Genugtuung für mich. Es war irgendwie aber auch witzig, weil ich mir damals dachte, dass es das jetzt war. Ich wollte ja gar nicht mehr. Mich einmal im Radio hören und ein eigenes Album aufnehmen – damit waren meine Ziele eigentlich erfüllt. Dass das so eine Kettenreaktion auslöst und auf das Album das nächste folgt und das nächste und das nächste, das hätte ich niemals erwartet.“ Das absolute Highlight seiner Karriere sollte allerdings erst weitere zehn Jahre später folgen und zwar mit dem Song: „Ein Stern (… der deinen Namen trägt)“ im Duett mit DJ Ötzi.

„Das war natürlich ein Höhenflug ungeahnten Ausmaßes. Der Song war ja eigentlich schon auf meinem zweiten Album und dass er dann in der neuen Version zum Hit des Jahres und zum erfolgreichsten Schlager aller Zeiten wurde, war ja überhaupt nicht absehbar. Das hätte ich mir nie erträumen lassen. Das Interesse an mir schoss plötzlich von null auf hundert, der Song wurde über eine Millionen Mal verkauft, ich habe den ECHO in der Kategorie ‚Erfolgreichster Titel international‘ gewonnen, das war ein Wahnsinn. Aber der Erfolg brachte auch viel Scheinheiligkeit mit sich. Es gab vor allem in Deutschland Radiosender, die hatten zuvor kein Interesse an mir. Der Presnik, der Schlagerrocker aus Österreich, den brauchen wir nicht und nach dem ‚Stern‘ haben sie mir plötzlich den roten Teppich ausgerollt“, erinnert sich Nik P. Missen möchte er den „Stern“ aber trotz des Hypes und der Schattenseiten nicht. „Wenn du mit 44 Jahren solch einen Erfolg hast, nach all diesen Jahren, in denen außer mir selbst kaum jemand an mich geglaubt hat, dann ist man einfach nur froh. Der ‚Stern‘ wird mich niemals nerven, weil ich jedes Mal wenn ich ihn singe oder höre, einfach nur dankbar und happy bin, dass ich als ehemaliger Bauernbua so etwas erleben darf. Das ist einfach geil.“

Fotos: © Moritz "Mumpi" Künster (3), Dominik Beckmann

 

 

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