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Die Stoakogler

"Wir bereuen nichts"

Am 02. Februar 1968 hatten die drei Brüder Fritz, Hans und Reinhold Willingshofer ihren ersten Auftritt. In den seither vergangenen fünfzig Jahren schrieben sie als die Stoakogler österreichische Musikgeschichte. Anlässlich des Jubiläums haben wir Fritz Willingshofer zum ÖMM-Interview gebeten.

ÖMM: Ihr feiert heuer euer 50-jähriges Bühnenjubiläum. Wie gut kannst du dich noch an die Anfänge erinnern?

Fritz Willingshofer: Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern, auch an unseren allerersten Auftritt in Eichberg bei Rohrbach bei einer Seniorenveranstaltung...

ÖMM: Habt ihr da auch schon Stoakogler geheißen?

Fritz: Nein, da haben wir noch gar nix geheißen (lacht). Wir waren einfach nur die Willingshofer-Brüder, das mit den Stoakoglern ist erst später entstanden. Wir hatten dann immer öfter bei Veranstaltungen gespielt und dann hat der Heimatdichter FranzHöller zu uns gesagt, dass wir doch eigentlich Stoakogler Trio heißen könnten, weil das der Berg bei unserem Bauernhof ist. Das haben wir dann angenommen und von da an waren wir dann das Stoakogler Trio.

ÖMM: Wie ist es dann weitergegangen?

Fritz: Das hat sich schnell entwickelt. Wir wurden immer öfter gebucht, hatten alleine bis 1970 um die 300 Auftritte. Mit Harmonika, Klarinette und Posaune hatten wir einen eigenen Klang und eine feste steirische Volksmusik gemacht, das hat den Leuten getaugt. Außerdem waren wir „nur“ ein Trio, wodurch wir uns von vielen anderen Gruppen unterschieden haben. 1971 haben wir dann beim Steirischen Volksmusikwettbewerbin Ramsau gewonnen – das war übrigens eine Veranstaltung vom heutigen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Daraufhin haben wir weiterhin fest gespielt. 1974 ist dann unser erstes Album erschienen und hat auf Anhieb 18.000 Stück verkauft, das war für uns als lokale Band ein Wahnsinn. Dass wir in den darauffolgenden Jahren insgesamt 45 Produktionen aufnehmen und auch noch Gold, Platin und Kristall dafür kriegen würden, hätten wir uns nicht mal erträumen lassen.

ÖMM: Mit „Steiramen san very good“ seid ihr 1992 die ersten volkstümlichen Popstars geworden. Das Lied kannte ein jeder, auch außerhalb der Volksmusikszene...

Fritz: Das war definitiv unser Höhepunkt, aber wir waren keine Popstars, sondern einfache Bauernbuam. Wir hatten zwar davor auch schon ein paar Goldene Schallplatten und waren mit „Looking for Freibier“ auch sehr erfolgreich, aber der „Steiramen“ hat etwas ausgelöst, das uns völlig neu war. Leute wollten Interviews, unser Produzent hat uns gesagt,dass wir in den Ö3-Charts sind und wir habennicht mal gewusst was das ist (lacht).

ÖMM: Konzert-Anfragen habt ihr in dieser Zeit bestimmt auch sehr viele bekommen...

Fritz: Das Arge war, dass wir schon vorm „Steiramen“ für die nächsten drei, vier Jahre ausgebucht waren. Mit dem „Steiramen“ sind dann unzählige Angebote hereingekommen, auch aus Deutschland, Holland, der Schweiz und vom Fernsehen, aber wir haben alles abgelehnt. Wir haben jeden einzelnen Vertrag, den wir davor ausgemacht hatten, eingehalten und mehr ging nicht. Wir hatten ja auch Familie, die Kinder waren noch klein und um den Bergbauernhof mussten wir uns auch kümmern. Wir sind aber noch heute sehr froh über diese Entscheidung. Trotz der Leidenschaft für die Musik, waren uns der Erfolg und das Geld nie so wichtig. Respekt vor einem Andreas Gabalier wenn er das alles aushält und es schafft da noch ein normaler Mensch zu bleiben. Der Erfolg hat schon sehr vieles angerichtet und nicht jeder ist dafür gemacht. Wir haben das Stoanihaus ja vor zwanzig Jahren auch nur errichtet, weil tagtäglich Fans bei unserem Bauernhof gestanden sind und uns bei der Arbeit zugeschaut haben. Das war alles nicht einfach und noch mehr hätten wir nicht gewollt.

ÖMM: 2011 habt ihr eure Karriere beendet. Warum und vermisst ihr die Bühne manchmal?

Fritz: Irgendwann hat alles ein Ende. Wir hatten damals die Möglichkeit in Pension zu gehen und das wäre nicht möglich gewesen wenn wir weitergemacht hätten, weil wir dann zu viel verdient hätten. Wir haben dann gesagt, danke das war‘s und diese Entscheidung auch nie bereut. Es war eine schöne Zeit, ab und zu spielen wir noch im Stoanihaus und damit sind wir glücklich.

Foto: © KK

 

 

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