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Coverstory: Die Edlseer

"Wir haben eine Bilderbuchkarriere"

Vor 25 Jahren haben Fritz Kristoferitsch, Manfred Maier und Andreas Doppelhofer das Edlseer Trio gegründet, heuer feiert die volkstümliche Kultband großes Jubiläum. Wir haben aus diesem Anlass Frontmann Fritz Kristoferitsch zum ÖMM-Interview gebeten und mit ihm über die Geschichte der Gruppe sowie die Licht- und Schattenseiten des Erfolgs gesprochen.

Im Zuge der Landesausstellung 1993, die Birkfeld gemeinsam mit Krieglach und St. Kathrein am Hauenstein zum Thema „Peter Rosegger“ veranstaltete, hatten Fritz Kristoferitsch, Manfred Maier und Andreas Doppelhofer ihren ersten Auftritt als „Edlseer Trio“. „Wir hatten zwar auch schon davor – eigentlich ab dem Jahr 1989 – gemeinsam musiziert, aber 1993 war dann unser offizielles Gründungsjahr“, erinnert sich Fritz Kristoferitsch an die Anfänge der Edlsser zurück. Schon im frühen Kindesalter machten die drei Musik und teilten ihre gemeinsame Liebe zu den Stoakoglern. „Gasen liegt nur zwölf Kilometer entfernt von Birkfeld und darum lag das auf der Hand, dass die Stoakogler unsere großen Vorbilder waren. Die Musik der Stoanis war schon immer unsere. Andreas, Manfred und ich haben die Stoanis in unserem Herzen und das war sozusagen auch die Basis für unsere gemeinsame Gründung der Edlseer.“ Einen alternativen Berufswunsch hatten die drei schon damals nicht. „Uns war eigentlich schon als Zehnjährige klar, dass wir Musiker werden wollen. Insofern gab es schon große Diskussionen mit unseren Eltern, denn wir haben damals gesagt: ‚Wir brauchen die Schule und das alles ja gar nicht.‘ Klarerweise haben wir dann trotzdem alle einen Beruf erlernt, aber wir waren schon ziemlich stur und wussten immer was wir wollten.“ Der Bandname war damals ebenfalls rasch gefunden, denn vor rund 700 Jahren gab es am tiefsten Punkt von Birkfeld einen See, nämlich den Edlsee. „Ungefähr dort wo auch mein Elternhaus steht“, erzählt Frontmann Kristoferitsch. „Mein Großvater und mein Vater haben damals dann gemeint: Wieso nennt ihr euch nicht Edlseer Spatzen oder Edlseer Trio? So haben wir dann auch gestartet und irgendwann ist im Laufe der Zeit nur mehr das Edlseer übrig geblieben.“

Nach der Gründung ging es dann ziemlich schnell. Der bekannte Mundartdichter Franz Höller nahm das Trio als musikalische Begleitung zu Seniorennachmittagen und diversen Veranstaltungen mit, bei denen sich die Edlseer ihre ersten Brötchen verdienten. „Wir haben in der Folge dann auch selbst verschiedene Seniorenheime angeschrieben und gefragt, ob wir dort bunte Nachmittage spielen dürften. Das war eigentlich unser Start“, erzählt uns Fritz Kristoferitsch im großen ÖMM-Interview. „Wir wollten alle drei unbedingt auf einer Bühne stehen und musizieren und waren deshalb schon sehr früh sehr viel unterwegs. Uns war kein Weg zu weit und kein Aufwand zu groß. Wir waren unglaublich fleißig, haben täglich geprobt und versucht die Musik so perfekt wie nur möglich nachzuspielen.“ Der Einsatz lohnte sich für die drei jungen Oststeirer, denn ihre Live-Qualitäten und die vielen Auftrittemachten die Edlseer rasch bekannt. „Wir hatten eigentlich eine Bilderbuchkarriere, denn es gab nie eine Durchhängephase. Von Beginn an ging es Schlag auf Schlag. Natürlich braucht man auch eine große Portion Glück. Wir wurden bei uns in der Region schon sehr früh als die ‚jungen Stoanis‘ bezeichnet und haben uns in der Volksmusikszene sozusagen einen Namen gemacht. Dadurch ist dann auch Ewald Münzer vom Ligister Trio auf uns aufmerksam geworden, der uns ebenfalls zu vielen Konzerten als Vorgruppe mitgenommen und uns sogar zu unserer ersten Plattenfirma vermittelt hat.“ Bereits zwei Jahre nach der Edlseer-Gründung kam mit „A echter Steirerklang“ (1995) das erste Album auf den Markt, für das die drei Musikanten „Ur-Nummern“ aus der Region, wie den „Gurktaler Walzer“ und den „Unter dem Doppeladler“-Marsch aufgenommen hatten. Die zweite CD bestand dann hingegen schon fast ausschließlich aus eigenen Edlseer-Liedern, die zum Teil auch schon im Radio gespielt wurden und dem Trio auch ihre ersten Fernsehauftritte bescherten. Zum fünfjährigen Jubiläum gelang den Edlseern dann der endgültige Durchbruch. „1998 haben wir mit unserem Erfolgstitel ‚Madonna Mia‘ gleich zweimal die österreichweite Fernsehhitparade gewonnen – einmal die Monatswertung und im Herbst auch noch die Jahreswertung. Wir waren da vor den Schürzenjägern, vor den Paldauern, vor den Kastelruther Spatzen und sogar vor unseren Idolen, den Stoakoglern. Das war plötzlich ein Ausnahmezustand für eine so junge Truppe wie uns, die es damalsgerade erst mal fünf Jahre lang gab“, erzählt uns Kristoferitsch. Wirklich realisieren konnten die drei Teenager die Erfolge damals nicht, erst heute würden sie verstehen, was in den Anfangsjahren alles passiert war. „Das checkt man nicht. Plötzlich haben wir in der Wiener Stadthallte vor ein paar tausend Leuten gespielt, da wird dir als kleiner Steirerbua schon ein wenig unwohl“, lacht der Edlseer-Frontmann beim Interview. „Aber wir hatten kaum Zeit das zu realisieren. Auf einmal rief Karl Moik an und nahm uns auf eine Kreuzfahrt mit, Herbert Fechter wollte uns unter Vertrag nehmen, der damals Größen wie Rainhard Fendrich gemanagt hat. Wir spielten 200 Shows im Jahr. 1999 wurden wir als jüngste Gruppe Österreichs mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Dann gewannen wir mit ‚Weil i a Schürzenjäger bin‘ (2000) auch noch überraschend den österreichischen Grand Prix der Volksmusik und im darauffolgenden Jahr gemeinsam mit den Zellberg Buam gleich noch einmal.“

„Es gab früher Monate, in denen wir 45 Konzerte gespielt haben. “

Selbst in den Vereinigten Staaten blieben die Erfolge der Edlseer nicht unbemerkt und die steirischen Musikanten wurden zu Arnold Schwarzeneggers fünfzigsten Geburtstag nach Hollywood eingeladen. „Das war ein Wahnsinn. Beim ersten Treffen wollten wir ein Foto machen und plötzlich standen da drei schwarzgekleidete Riesen vor uns, wir wussten damals ja nicht mal was Security ist“, scherzt Kristoferitsch. „Aber selbst da hatten wir nicht mal Zeit, um uns in Amerika etwas anzuschauen. Wir sind am selben Abend noch zurückgeflogen, weil wir am nächsten Tag schon wieder für einen Seniorennachmittag in Bruck an der Mur gebucht waren. Das kann man heute gar nicht mehr erzählen, aber wir haben damals alles zugesagt und was ausgemacht war, haben wir auch gespielt. Es gab früher Monate, in denen wir 45 Konzerte gespielt haben. Wir haben in der Türkei und in Tunesien alle Magic Life Clubs bespielt und sind zwischendurch dann immer wieder nach Österreich zu anderen Auftritten geflogen. Wir wussten schon gar nicht mehr, welcher Tag oder Monat war und in welchem Land wir waren. “ Heute wären solche vollen Terminkalender laut Kristoferitsch nicht mehr denkbar, aber damals habe man noch einen anderen Antrieb gehabt. Mittlerweile sind die Edlseer ein wenig ruhiger geworden, spielen nicht mehr ganz so viele Konzerte und veröffentlichen auch nicht mehr jährlich neue Alben. „Das weist dir der Körper. So ein Vierteljahrhundert nimmt der Organismus schon war. Fünfmal pro Woche bei 40 bis 50 Grad im Zelt zu spielen und keinen regelmäßigen Schlafrhythmus zu haben, setzt einem auf Dauer schon zu. Wenn man das zu intensiv betreibt, dann leidet darunter nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die musikalische und das wollen wir nicht“, so Fritz Kristoferitsch.

Zum 25-jährigen Jubiläum blickt das steirische Quartett dankbar und demütig auf das Vergangene zurück. „Wir haben unglaubliche Momente erleben dürfen und sind bemüht unseren Weg professionell weiterzugehen. Wir haben nach wie vor viel Spaß an der Arbeit, erfreuen uns an Auszeichnungen wie Goldene Schallplatten, obwohl wir heute als erwachsene Männer und Familienväter die Prioritäten etwas anders angesetzt haben. Die Rekorde müssen nicht um alles in der Welt gebrochen werden, spielfreie Tage werden als dankbare Zeit für die Familie wahrgenommen und unsere Gesundheit ist uns wichtig geworden. Da passiert es dann auch das ein oder andere Mal, dass wir eine Anfrage ablehnen oder gewisse Distanzen nicht mehr in Kauf nehmen, um unsere Energie bestmöglich einzusetzen. Wenn man zurückschaut und sieht wie schnell diese 25 Jahre vergangen sind, wäre man ja fast verleitet sich auf das nächste Vierteljahrhundert einzustellen – aber eigentlich ist das doch eine recht lange Zeit. Ich sage immer, wie Gott will aber eines ist gewiss – die Leidenschaft Menschen mit unserer Musik zu begeistern ist heute wie damals ungebrochen.“

Fotos: © Pressefotos

 

 

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