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Coverstory: Jürgen Drews

Einfach fröhlich

Seit Jahrzehnten ist der deutsche Sänger ein Garant für gute und vor allem leichte Unterhaltung. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Die einen lieben ihn und die anderen hassen ihn. Obwohl sie ziemlich abgedroschen ist, gibt es vermutlich dennoch keine passendere Floskel um Jürgen Drews zu beschreiben, denn dem deutschen Schlagersänger ist definitiv nicht jeder Musikfreund automatisch wohl gesonnen. Nach außen hin wirkt es allerdings so als würde ihn dieser Umstand ziemlich kalt lassen, nicht nur weil er seit Jahrzehnten  erfolgreich ist und er niemandem mehr etwas beweisen muss, sondern vielmehr weil Jürgen Drews so etwas wie negative Stimmung in seinem Kopf offenbar gar nicht zulässt. Nicht nur wenn tausende, angeheiterte Jugendliche mit Sangria im Eimer mit dem "König von Mallorca" bei seinen Auftritten im Feiertempel MegaArena die Nacht zum Tag machen, sondern auch wenn der selbsternannte "Schlagerpirat" auf der Konzertbühne,nach einer Show verschwitzt beim Interview oder für das Fernsehen vor der Kamera steht: Jürgen Drews ist immer fröhlich und – zumindest wenn es nach uns geht – in Wahrheit der "König der guten Laune".

Und mit dieser positiven Energie beflügelt der Sänger nicht erst seit Kurzem sein Publikum. Schon sehr früh erkannte Jürgen Drews sein Talent beziehungsweise seine Vorliebe, dafür andere Menschen zu unterhalten und glücklich zu machen. Als 15-Jähriger tourte der gebürtige Berliner bereits mit verschiedenen lokalen Bands durch seine Heimat Norddeutschland und gewann zudem den Preis als bester Banjo-Spieler Schleswig-Holsteins. In Kiel gründete er wenig später die Gruppe "Die Anderen" mit der Drews immerhin zwei Alben aufnahm, außerdem gelang es dem Feschak in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren in einigen Filmproduktionen, wie "Das Syndikat" (1972) mit Mario Adorf, mitzuspielen. Musikalisch ging es parallel ebenfalls zur Sache. Lange Zeit bevor Jürgen Drews mit deutschsprachigem Pop-Schlager auf den Bühnen gefeiert werden sollte, waren es allerdings zunächst englische Lieder, die dem Musiker weltweite Erfolge verschafften. Nachdem Drews den in Hamburg lebenden Engländer Les Humphries kennenlernte, engagierte ihn dieser nämlich für dessen Gesangsgruppe "The Les Humphries Singers". Das Kollektiv bereiste den gesamten Globus, verkaufte weltweit mehr als 40 Millionen Tonträger und stürmte mit Liedern wie "Mexico" (1972) und "Mama Loo" (1973) auch die österreichische Hitparade. Jürgen Drews war mittendrinn statt nur dabei und fiel schon damals als echte Frohnatur auf. Mitte der Siebziger war es für den Deutschen daher an der Zeit endlich auch alleine durchzustarten. Das Album "Ein neuer Anfang" (1976) wurde seinem Namen vollends gerecht und läutete mit dem Coversong "Ein Bett im Kornfeld" (Original: "Let Your Love Flow" von den Bellamy Brothers) den Beginn einer wundervollen Solo-Karriere ein. Mit "Barfuß durch den Sommer" und "Wir zieh’n heut’ Abend aufs Dach" durfte sich der damals knapp dreißigjährige Sänger auch in den Folgejahren über erfolgreiche Kompositionen freuen, ehe Jürgen Drews in den Achtzigern in die  USA übersiedelte, um dort sein (Un)glück zu versuchen. Anstelle von deutschem Schlagersound setzte er dort auf satte Gitarrenklänge. Trotz guter Kritiken blieb der erhoffte Erfolg als ernsthafter Rockmusiker am anderen Ende des großen Teichs jedoch aus und so musste sich "Onkel Jürgen" nach seiner Rückkehr in die Heimat mühevoll ins Geschäft zurückkämpfen. Drews moderierte monatlich die deutsche Schlagerparade im Südwestfunk, betätigte sich vermehrt als Musikproduzent und versuchte immer wieder mit neuen Songs die einstigen Erfolge zu wiederholen – vergeblich.

"Ich will irgendwann der Party-Heesters von Deutschland werden!"

Das Jahr 1995 entpuppte sich für Jürgen Drews dann allerdings als absolutes Glücksjahr: Mit den beiden Blödel-Musikern Stefan Raab ("TV Total") und Bürger Lars Dietrich feierte Drews ausgerechnet mit einer funkigen Neuauflage seines Evergreens "Ein Bett im Kornfeld" erneut einen Charterfolg und legte damit den Grundstein für seine spätere Karriere als Partysänger. Und auch privat sollte es das Jahr des Jürgen Drews werden. Zuerst heiratete er seine große Liebe Ramona, die er auch heute noch vergöttert und welcher er im Februar 2012 in der ZDF-Show"Willkommen bei Carmen Nebel" sogar einen zweiten Heiratsantrag gemacht hat – im kommenden August werden sich die beiden im 18. Ehejahr daher in Venedig noch einmal das Ja-Wort geben – und kurz darauf wurde Jürgen Drews im September desselben Jahres auch noch Vater seiner ersten und bislang einzigen Tochter. Die heute 16-jährige Joelina Drews ist mittlerweile übrigens ebenfalls schon als Sängerin tätig und schaffte es im Gegensatz zu ihrem Vater sogar auf Platz 20 der amerikanischen Club & Dance Charts. Mit viel Witz, schelmischer Selbstironie und immer wieder neuen verrückten Geschichten machte  sich Drews außerdem selbst zum Liebling der deutschen Boulevard-Medien und damit auch zur vielgeliebten und gleichzeitig auch gehassten Kultfigur die er heute ist. Gekrönt wurde Drews jedoch erst Ende der Neunziger als in Deutschland plötzlich der Mallorca-Boom ausbrach und unter den feierenden Jugendlichen am legendären "Ballermann" neben Alkohol vor allem auch gute Laune gefragt war. Für Jürgen Drews begann damit sein zweiter Frühling, denn der ohnehin stets fröhliche Sänger traf mit seiner Musik und seiner lustigen Art direkt ins Herz der grölenden Party-Meute. Binnen kürzester Zeit wurde der deutsche Schlagerbarde zum vielgebuchten Entertainer in Clubs und Diskotheken und damit schließlich zum "König von Mallorca" – ein Titel den Drews im Übrigen von TV-Moderator Thomas Gottschalk während einer Sommerausgabe von "Wetten, dass..?" verliehen bekommen hat.

In den letzten Jahren perfektionierte er sein Handwerk als Partysänger und fand mit einfachen, aber im Gegensatz zu vielen anderen Mallorca-Stimmungsmachern niemals niveaulosen Texten und eingängigen Melodien auch in der Schlagerszene wieder mehr Anklang. "Ich weiß, dass sich viele Fans von mir wieder mehr Schlager wünschen", sagte Jürgen Drews im Zuge der Veröffentlichung seines letztjährigen Albums "Schlagerpirat". "Und diese Fans möchte ich nicht enttäuschen. Allerdings sehe ich mich mittlerweile als reinen Partysänger, der höchstens mal als Pirat die Schlagerszene entert, um auch dort wieder ein paar neue Hits zu erbeuten." Und genau das tut der mittlerweile 68-Jährige mit Erfolg. Nach 30 Jahren schaffte er es mit der Single "Ich Bau Dir Ein Schloss" (2009) erstmals wieder in die Top-10 der deutschen und immerhin auf Platz 33 der österreichischen Charts. Mit "Wenn die Wunderkerzen brennen" schob er im Vorjahr gleich noch einen weiteren Hit nach und auch aktuell hat Drews wieder ein heißes Eisen im Feuer. In Zusammenarbeit mit Reiner Hömig, der schon in die Produktion von "Ich Bau Dir Ein Schloss" involviert war, entstand mit "Für einen Tag" eine romantische Insel-Nummer. Und weil all das dem Workaholic noch nicht reicht, hat "Onkel Jürgen" nach dem Tod von Les Humphrie vor fünf Jahren, mit einigen ehemaligen Mitgliedern auch noch "The Les Humphries Singers" wiederbelebt, welche mittlerweile unter dem Namen "The Les Humphries Singers Reunion" auftreten. Bereits 2009 erschien mit "Back In Time" eine neue Platte der Gesangsgruppe, auf welche erst kürzlich ihr neues Album "Forever Young" folgte. Es scheint fast so als bliebe Jürgen Drews tatsächlich für immer jung, denn ans Aufhören denkt er natürlich nicht. Er hat hingegen noch einiges vor: "Jetzt geht‘s erst richtig los! Ich will irgendwann der Party-Heesters von Deutschland werden!"

Fotos: © Manfred Esser, Schokoauge, obs/SWR, lenhardt

 

 

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