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Coverstory: Dominik Ofner

"Des is‘ da Ofner!"

Der ehemalige "Die große Chance"-Teilnehmer hat kürzlich sein erstes Album veröffentlicht. Wir haben Dominik Ofner daher zum Interview gebeten.

Als der Österreichische Rundfunk vor eineinhalb beschloss, das angestaubte Castingshowformat "Die große Chance" aus dem Archiv zu kramen und am Freitagabend nach zwanzigjähriger Pause wieder nach heimischen Talenten zu suchen, witterte Dominik Ofner aus Voitsberg seine Chance und meldete sich an. Im Gegensatz zu den meisten seiner Mitbewerberinnen und Mitbewerbern machte der damals 21-Jährige allerdings kein Popmusik und auch jonglieren, tanzen oder zaubern konnte er nicht. Dominik Ofner ging mit seiner Ziehharmonika auf die Bühne und begeisterte die Menschen. "Ich habe aber nicht wirklich gewusst was ich erwarten kann", gesteht er uns im Gespräch. Ob man dort mit volkstümlicher Musik wird punkten können, stand im Vorfeld in den Sternen und so war es für den jungen Steirer eine Erleichterung als er nach seinem Auftritt unter Applaus von der Bühne ging. "Es war super, dass ich so ein klasse Feedback bekommen habe und mir sogar Juror Sido die Hand gegeben und gesagt hat, dass ich meinen Weg mache werde", erinnert sich Dominik gerne zurück.

Er fühlte sich bestätigt und auch wenn im Halbfinale der Show für ihn Schluss war, hatte er sein Zwischenziel dennoch erreicht. Hinter den Beweggründen seiner Teilnahme an der Fernsehsendung steckt nämlich eine besondere Geschichte, welche uns Dominik etwas später noch erzählen wird. Doch beginnen wir zunächst einmal ganz vorne. "Meine Eltern wollten immer, dass ich Ziehharmonika lerne, aber da war ich erst vier, fünf Jahre alt und da hat mich das überhaupt nicht interessiert. Ich habe es aber halt trotzdem getan. Wie ich sieben Jahre alt war, noch bevor ich in die Volksschule gekommen, ist dann mein Vater tödlich verunglückt und ich habe mit der Musik aufgehört. Mit dem Wissen, dass er allerdings immer wollte, dass ich musiziere, bin ich später dann in die Musikhauptschule in Stallhofen gekommen und habe dort das Harmonikaspielen neu erlernt", erzählt er uns. "Dort habe ich dann meine erste reine Volksmusikgruppe gehabt, wo wir Sachen von den Zwangsleitnern und Ernst Bosch usw. gespielt haben. Wir waren sogar in Innsbruck bei einem Volksmusik-Wettbewerb und haben dort gleich auf Anhieb eine Auszeichnung bekommen. Und so ist es dann für mich immer weiter bergauf gegangen." Dominik landete in der Folge bei den Blechsteirern und spielte dort endlich auch vor größerem Publikum. Nach einiger Zeit erkannte er jedoch: "Nein, das ist noch nicht das Richtige." Er zog weiter und suchte sich eine Oberkrainer-Gruppe mit der er knapp eineinhalb Jahre lang gemeinsam musizierte, ehe sich seine innere Stimme erneut meldete. Der Steirer wollte doch eigentlich immer ein richtiger Musiker werden und richtige Musiker spielen ihre eigenen Lieder. "Und so habe ich eines Tages ein eigenes Lied von mir mitgenommen. Ich wollte, dass wir das einstudieren und nicht immer nur fremde Lieder nachspielen. Zwei von der Gruppe haben mir dann gesagt, dass sie so einen ´Schaß´ nicht spielen wollen. Das ist nix, haben sie gemeint. Daraufhin habe ich mir dann eben gedacht: euch zeig ich’s und bin damit zur großen Chance gegangen."

"Ich bin ein g‘rader Michl und sage immer was ich mir denke."

Obwohl es ihm möglicherweise gereicht hätte, waren die Bestätigung des Publikums und der Jury sowie die Genugtuung gegenüber seiner ehemaligen Bandkollegen nicht alles was Dominik Ofner vom Küniglberg mit nachhause nahm. Auch die Telefonnummer eines gewissen Peter Schilling brachte er heim nach Voitsberg – dem Director von Ariola Österreich. "Er hat mir gesagt, dass er mich fördern möchte." Gemeinsam arbeiteten sie in den vergangenen Monaten behutsam ein musikalisches Konzept aus. Trotz seiner Präsenz auf der Mattscheibe, wollte Dominik nämlich kein überhastetes Album auf den Markt werfen. "Dann sind womöglich Lieder drauf, hinter denen ich ein Jahr später gar nicht mehr stehe. Wir haben einstimmig beschlossen, dass wir ein perfektes Album veröffentlichen wollen. Ein Produkt, von dem wir nachher sagen können, dass wir wirklich alles gemacht und probiert haben. Hinter dem wir zu hundert Prozent stehen können und das ehrlich aus dem Herzen kommt." Und so ließen sich die beiden alle Zeit der Welt und Dominik arbeitete sich langsam in die Welt des Profimusikers ein. Schließlich hatte er noch bis letzten November als Einzelhandelskaufmann bei einem großen österreichischen Handelsunternehmen gearbeitet, wo übrigens viele Lieder seines Debütalbums entstanden sind. "Wenn mir im Geschäft zwischen den Regalen und den Salatköpfen eine Melodie eingefallen ist, habe ich sie provisorisch auf mein Handy gesungen und dann daheim einen Text dazu geschrieben", lacht Dominik. Außerdem galt es, sich vor der Veröffentlichung der CD zuerst eine Fangemeinde aufzubauen. Der junge Steirer spielte daher viele Konzerte und Fernsehauftritte (u. a. "Silvesterstadl" und "Wenn di Musi spielt") und versuchte die Menschen direkt vor Ort von sich zu überzeugen. "Für mich ist es sehr wichtig, dass ich viel unterwegs bin und Konzerte spielen kann, denn ich liebe das Bad in der Menge. Wenn ich auf der Bühne stehe und hunderte Leute sehe, die mitsingen und sich freuen, weil ich da bin, dann ist das einfach ein Wahnsinn."

Zwischen den Auftritten arbeitete Dominik Ofner akribisch an seiner ersten Platte "Zwoa". Es wurden eigene Demos durchforstet und aussortiert und der Musikmarkt nach passenden Produzenten sondiert. Gar nicht so einfach, denn der begnadete Harmonikaspieler hatte nämlich eine klare Vorstellung von dem was er machen wollte. Etwas Vielseitiges, etwas Neues, etwas, dass ungekünstelt und ehrlich ist. "Ich würde mich selbst beispielsweise gar nicht so sehr in die Volksmusik-Schublade einordnen, denn was ich mache ist kein volkstümlicher Walzer. Ich sage immer, das ist der neue Austropop, weil ich alles vermische. Das Leben hat viele Facetten. Der Mensch ist nicht immer nur gut oder immer nur schlecht drauf. Ich selbst höre eigentlich auch jede Musikrichtung. Ich bin ein großer Ärzte- und Tote Hosen-Fan, ich habe alle CDs von ihnen und kenne fast jedes Lied, aber bin gleichzeitig auch
großer Oberkrainer-Fan und kenne wiederum auch dort jedes Stück. Zwischendurch höre ich auch manchmal Techno oder etwas ganz anderes." Und so landeten Peter Schilling und Dominik Ofner schließlich bei Seer-Frontmann Fred Jaklitsch und dem Deutschen Oliver Pinelli, der unter anderem Unheilig ("An deiner Seite", "Lichter der Stadt") produzierte. Die beiden saßen an den Reglern und Dominik schrieb bis auf zwei Ausnahmen alle Texte. "Eigentlich wollte ich das gar nicht, weil ich alles selber machen wollte, aber ich habe mir die beiden Lieder ‚Liab mi oder loss mi‘ und ‚Luderbruder‘ dann doch angehört und war total begeistert." Gemeinsam entstand mit "Zwoa" schließlich ein Album, das modern, vielseitig und unverkennbar ist. "Ich möchte, dass man sagt: Des is‘ da Ofner!"

Fotos: © Robert Maybach, ORF

 

 

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