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White Stars

Schlagermärchen

Ein halbes Jahrhundert White Stars. Eine Geschichte von billigen Ärztehosen, Erfolgsschnulzen und dem SK Sturm Graz.

Vor exakt zwei Jahren auf dem Grazer Hauptplatz: Tausende Menschen liegen sich in den Armen, bejubeln die dritte österreichische Fußballmeisterschaft des SK Sturm Graz und singen gemeinsam, egal ob Jung oder Alt, ein Lied der White Stars. Bereits dreißig Jahre zuvor hatten Walter Reischl und seine Mannen die Hymne "Der SK Sturm wird neuer Meister" aufgenommen und auf Vinyl pressen lassen. Bekanntlich reichte es 1981 schließlich doch nicht zum großen Wurf, die Wiener Austria sicherte sich am letzten Spieltag den Titel und dennoch wurden die Zeilen des Liedes nie vergessen und von Generation zu Generation weitergegeben – so wie die Musik der White Stars im Allgemeinen. Der Karriere der Grazer Musikgruppe tat dieser Ausrutscher ebenfalls keinen Abbruch. Die Melodie der fälschlichen Meisterhymne war zum damaligen Zeitpunkt ohnedies österreichweit bekannt und wurde mit anderem Text auch außerhalb der Steiermark begeistert mitgesungen. "Ich war nie ein Casanova" hieß die Nummer im 1980er Jahr und sollte bis heute ein Meilenstein der White Stars bleiben. Zehn Wochen lang war das Lied in den heimischen Charts zu finden und schaffte es bis auf den neunten Platz, das dazugehörige Album "Träume sind nicht verboten" war sogar noch erfolgreicher – nur Wolfgang Ambros‘ "Weißer Schnee" verwehrte den Reischl-Brüdern die Pole-Position. Für die White Stars war es dennoch ein Grund zum Feiern, ließ man doch immerhin die Rolling Stones oder AC/DC hinter sich. Außerdem lag dem Erfolg bereits damals eine lange Geschichte zugrunde.

Die jungen Brüder Peter, Günther und Walter Reischl träumten schon Anfang der sechziger Jahre von einer Musikkarriere und kamen 1963 schließlich durch Zufall zu ihrem ersten Auftritt. Bei einer Jugendveranstaltung fiel die eigentlich angesetzte Band, mit Ausnahme der Schlagzeugers, krankheitsbedingt aus und so forderte das Publikum: "Die Reischl-Buam sollen spielen." Schlagzeuger Joschi Scheucher wurde kurzerhand zum Ehrenbruder und der Abend gerettet. Es folgten weitere kleine Auftritte, für die sich die noch namenlose Truppe billige, weiße Ärztehosen um 78 Schilling und dazugehörige Hemden kaufte. Die White Stars waren geboren. Zehn Jahre später stieß auch noch Michael Reischl zur Band. Mittlerweile gibt es die selbsternannten Schnulzenkaiser seit fünf Dekaden und verkünden mit ihrem neuen Jubiläumsalbum stolz: Wir haben "Immer noch Gänsehaut…".

Foto: © Pressefoto

 

 

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