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Coverstory: Marc Pircher

Der ErVOLKSmusiker

Ein Jahr nach seinem großen Jubiläum, meldet sich Marc Pricher zurück. Im ÖMM-Interview spricht er über sein neues Album, seinen Kinofilm und seine Zukunftspläne.

In den vergangenen Monaten gab es für Marc Pircher zahlreiche Gründe zum Feiern: Sein 20-jähriges Bühnenjubiläum, seinen 35. Geburtstag, eine Gold- und eine Platinauszeichnung, ein eigenes TV-Special im ORF sowie unzählige ausverkaufte Konzerte und Feste. Anstatt sich eine Pause zu gönnen, begab sich der Musiker dennoch sofort wieder zurück ins Studio, um dort eine neue Platte aufzunehmen. Eine auf die er ganz besonders stolz sei, wie er heute sagt. Denn er habe sich im Gegensatz zu früher viel weniger Druck gemacht und stattdessen auch einige neue Dinge probiert. "Ich habe mir diesmal einfach gedacht: ich habe doch schon zwanzig erfolgreiche Jahre hinter mir. Daher habe ich versucht die Sache etwas entspannter anzugehen und das war absolut die beste Medizin. Für mich ist es eine der besten Platten, die ich je gemacht habe. Und sie hat endlich meine komplett eigene Handschrift, weil ich diesmal alles selbst gemacht und zusammengestellt habe. Die Platte ist so authentisch wie keine davor", schwärmt Marc Pircher im Interview. Und dabei kann sich die Diskographie des Zillertalers eigentlich mehr als sehen lassen. Zwölf goldene und fünf platine Schallplatten kann der Sänger mittlerweile schon sein Eigen nennen, dazu kommen zahlreiche Topplatzierung in den Charts sowie zwei Siege bei den heimischen Vorentscheidungen zum "Grand Prix der Volksmusik". Doch die Produktion des neuen Albums war einfach anders. In der Vergangenheit stand Marc Pircher häufig unter Zeitdruck und so wurden manche Lieder im Schnellverfahren aufgenommen. "Da war dann noch ein Titel frei und hat dann halt noch rasch etwas geschrieben. Diesmal habe ich mir aber wirklich fast ein Jahr lang Zeit gelassen und alles in Ruhe gemacht. Es hat noch nie eine Platte gegeben, von der ich auf der Bühne zwölf oder dreizehn Lieder bei jedem Konzert spielen könnte. Es gibt sozusagen keine Lückenfüller auf dem neuen Album. Jedes Lied hat seine Berechtigung."

Produziert wurde "Alles wird gut" (VÖ: 31. Mai 2013) im Studio von Christian Zierhofer in Wiener Neustadt. Der Niederösterreicher kann auf eine ähnlich lange Karriere wie Marc Pircher zurückblicken. Vor zwanzig Jahren gewann Zierhofer den Kompositionswettbewerb "800 Jahre Kapfenberg" und produzierte seither unzählige Hits für die Kastelruther Spatzen, das Nockalm Quintett und die Ladiner. Mit Marc Pircher hatte er zuvor ebenfalls schon einige Male zusammengearbeitet, allerdings immer nur für einzelne Lieder. Nicht so bei der neuen Scheibe. "Die komplette Umsetzung und die Arrangements sind diesmal in Zusammenarbeit mit meinem Gitarristen Manfred Wagner und Christian Zierhofer entstanden und darüber bin ich total glücklich. Er weiß genau was ich will und ich fühle mich bei ihm pudelwohl. Das ist insofern wichtig, weil ich mich auf ihn verlassen kann. Bei Christian weiß ich schon beim Einsingen, dass ich mit dem Endprodukt zufrieden sein werde. Er weiß genau was mir taugt und macht es dann auch so, dass es typisch nach Marc Pircher klingt", streut er seinem Produzenten Rosen. "Für mich ist er einer der Besten in Österreich."

"Ich komme von der Volksmusik und habe sehr viel Erfolg gehabt. Ich bin ErVOLKSmusiker."

Und weil beim neuen Album ohnehin schon so viele Dinge anders sind, hat der 35-jährige Tiroler auch gleich noch an seinem Sound geschraubt. Alle Instrumente wurden live eingespielt, das Schlagzeug, der Bass, die Gitarren – dadurch sei die Musik etwas rauer und vielleicht sogar ein bisschen rockiger geworden. "Da ich aber natürlich meine Harmonika mit dabei habe und auch aufgrund meiner Stimme, ist natürlich ein Wiedererkennungswert gegeben", gibt Pircher Entwarnung. Seine Fans müssen sich vor dem neuen Album also nicht fürchten, dass sich die Musik des Tirolers allerdings verändert habe, will dieser gar nicht abstreiten. Allerdings sei diese Weiterentwicklung auch im Sinne seiner langjährigen Fans. "Man kann die neue Platte nicht mit einer von vor zehn Jahren vergleichen, aber das ist mir auch extrem wichtig. Ich möchte nicht, dass der Fan sich eine CD von mir kauft, nach drei Jahren wieder eine und sich dann denkt, dass es von der Art her eigentlich die gleiche Platte ist.“ Was allerdings sehr wohl gleich geblieben ist, ist die gute Laune, die Marc Pircher mit seiner Musik stets vermittelt. Schon die erste Single, die übrigens genau wie das Album "Alles wird gut" heißt, sprüht regelrecht vor positiver Energie und verleiht dem tristen Alltag etwas Farbe. "Keiner weiß wie es weitergeht, es ist alles unsicher und daher glaube ich, dass ein Motivationslied zu diesem Zeitpunkt nicht schaden kann", erzählt uns der Sänger. Doch braucht ein erfolgreicher Musikant wie Marc Pircher eigentlich selbst auch manchmal einen Schluck Positivismus? "Natürlich, ich habe genauso meine Wehwehchen wie jeder andere Mensch auch auf dieser Welt und auch beruflich habe ich meine Sorgen. Die Medienlandschaft, was das Radio und Fernsehen angeht, wird ja nicht besser, sondern immer schlimmer. Dadurch, dass die Sendungen immer weniger werden, blicken wir alle in eine ungewisse Zukunft und können nur hoffen, dass das wieder besser wird. So wie es jetzt ist, ist es nämlich nicht mehr wirklich lustig."

"Ich befürchte, dass wir in unserer Branche irgendwann wehmütig zurückschauen und sagen werden: Mein Gott war das damals schön. Diese Jammerei von Heute wird man in zwanzig Jahren als traumhaft bezeichnen. Ich werde meine Musik in irgendeiner Form immer brauchen, aber nicht mehr in diesem Ausmaß. Irgendwann werde ich mich zurückziehen und hinter die Kulissen wechseln, aber ob das in zwei, fünf oder zehn Jahren ist, kann ich noch nicht sagen. Dieses Vollgas-Leben geht sicher nicht noch zwanzig Jahre lang", erzählt uns Marc Pircher exklusiv. Momentan gibt der leidenschaftliche Unterhalter immerhin bis zu 200 Konzerte pro Jahr und verbreitet bei jedem einzelnen gute Laune. Das sei sein Job, erklärt er uns, erwähnt im gleichen Atemzug allerdings auch, dass man sehr auf seinen Körper achten müsse. "Das ist wie im Spitzensport. Die Regeneration ist wichtiger als die Anstrengung. Man muss sich immer wieder Auszeiten gönnen. Ich hab das große Glück, dass ich nirgendwo besser schlafe als in meinem Tourbus", lacht er. Wie so ein Musikerleben aussieht können Sie übrigens schon bald auf der Leinwand bestaunen. Neben dem neuen Album, kommt Ende Mai nämlich auch die Dokumentation "Schlagerstar" in ausgewählte Kinos, die den beinharten Alltag von Marc Pircher zeigt. Dafür haben die beiden Filmemacher Marco Antoniazzi und Gregor Stadlober den Musiker ein Jahr lang begleitet und über 500 Stunden Videomaterial aufgenommen. "Im ersten Moment habe ich mir gedacht: die sind nicht ganz sauber, wie soll das denn funktionieren? Doch der Film zeigt, wie es wirklich ist. Der Zuseher muss sich seine eigene Meinung bilden. Es kann sein, dass er das Kino verlässt und sagt ´Wahnsinn was der Marc Pircher leistet´ oder aber auch ´der ist verrückt‘. Es kann beides passieren, aber das ist das Schöne."

Fotos: © Universal Music, Michael Mey, Manfred Esser, Schlagerstar

 

 

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