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Coverstory: Hansi Hinterseer

Für immer bärig

Der blonde Engel feierte kürzlich seinen sechzigsten Geburtstag, außerdem jähren sich heuer der Beginn seiner Schlagerkarriere sowie sein Hahnenkamm-Sieg zum zwanzigsten beziehungsweise vierzigsten Mal.

Skirennläufer, Schlagersänger, Schauspieler, Co-Kommentator, Moderator und Kultfigur: Hansi Hinterseer hat in seiner langen Karriere vieles erreicht und daher möchten wir Sie auf den folgenden Seiten auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Erster Stopp ist der Sommer des vergangenen Jahres. Nachdem der Sänger mit "Ich hab dich einfach lieb" (2010) sein letztes Album über Ariola veröffentlicht und danach eine kurze Affäre mit einem anderen Label hatte, kehrte Hansi Hinterseer zu der geschichtsträchtigen Plattenfirma zurück. Zum neuerlichen Einstand kündigte der Blondschopf gleich ein neues Album an und präsentierte dieses der Presse in einer Manier, die so typisch für "unseren" Hansi ist und den Charakter des mittlerweile Sechzigjährigen so gut beschreibt, dass wir unseren Rückblick damit beginnen möchten. Zur Präsentation seiner letztjährigen Platte lud Hansi Hinterseer nämlich nicht zu einer Pressekonferenz in irgendein Hinterzimmer, sondern ließ die heimischen Medienvertreter in "Hammerl" antreten. Richtig gelesen, der Schlagersänger stellte sein Album "Heut‘ ist Dein Tag" im Rahmen einer Wanderung durch seine Tiroler Heimat vor. Von der Regalm ging es zur Graspoint Hochalm am Wilden Kaiser in Going, zwischendurch gab es Volksmusik und eine zünftige Jause mit herzhaftem Almkäse. Während die Journalisten schwitzten, hatte Hinterseer seine Freude und meinte damals mit strahlendem Lächeln: "Ich hab’ mir halt gedacht, ihr sitzts eh den ganzen Tag über in euren Büros, da ist so eine kleine Wanderung die richtige Abwechslung."

"Für mich war‘s das Natürlichste auf der Welt Skirennläufer zu werden."

So ist er, der gebürtige Johann Ernst Hinterseer aus Kitzbühel. Eine unbekümmerte Frohnatur, die die Berge über alles liebt und das Herz immer auf der Zunge trägt. "Es ist ein Geschenk, dass ich mich nicht verstellen kann", sagt er selbst. Am 02. Februar 1954 kam er als ältester Sohn von Olympiasieger Ernst Hinterseer zur Welt und wuchs auf der Seidlalm in spärlichen Verhältnissen auf. Dennoch fühlte er sich wohl und führte eine zufriedene Kindheit. "Ich kann nur jedem Kind wünschen so aufzuwachsen. Wir hatten zwar keinen Fernseher oder elektrisches Licht, aber ich hatte alles um glücklich zu sein", erinnert sich der heutige Entertainer. Als Zweijähriger stand der kleine Hansi erstmals auf Skiern, damals jedoch nicht wegen sportlichen Ehrgeizes, sondern weil es im Winter gar kein anderes Fortbewegungsmittel gab. Mit einem Olympiasieger als Vater, der sich 1960 im Slalom die Goldmedaille sichern konnte, sollte es jedoch nicht lange dauern bis Hansi Hinterseer auch rennmäßig auf den Brettln stand. Er gewann beinahe alle Schülerrennen seiner Altersklasse und hatte daher schon bald seine Berufswahl getroffen. "Für mich war‘s das Natürlichste auf der Welt Skirennläufer zu werden." Mit vierzehn Jahren wurde er bereits in das Österreichische Nationalteam aufgenommen, in der Saison 1971/72 feierte er seine Weltcup-Premiere. Im darauffolgenden Winter erklomm er als junger Bursche bereits die Weltspitze. In Alaska gewann er mit 19 Jahren sein erstes Profi-Rennen und noch im selben Jahr die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf. In den Folgejahren hatte es der Tiroler jedoch schwer und brachte es nur noch zu einigen wenigen Siegen, seinen wichtigsten holte er am 27. Jänner 1974 als er den Hahnenkamm-Slalom am Kitzbüheler Ganslernhang gewann. Anfang der achtziger Jahre beendete Hansi Hinterseer schließlich seine sportliche Laufbahn und wurde beim ORF Co-Kommentator. Dass ihm noch eine große Karriere als Entertainer bevorstehen würde, ahnte er damals jedoch noch nicht.

"Alle hatten eine CD – ob Annemarie Moser-Pröll oder Toni Sailer – also dachte ich mir, ich brauche auch eine", erzählte Hansi Hinterseer vor ein paar Jahren im ÖMM-Interview über seine ursprünglichen Ambitionen als Sänger. "Ich dachte mir, dann mache ich halt auch eine und gehe danach wieder zum Skifahren." 1993 kam der Musikproduzent Jack White auf Hansi zu und bat ihm an, ein Lied für ihn zu produzieren. Da White (bürgerlich Horst Nußbaum) selbst eine sportliche Vergangenheit als Profi-Fußballspieler hatte, könnte es ja vielleicht ganz gut passen, außerdem hatte der Deutsche schon Weltstars wie Barry Manilow, Engelbert Humperdinck und David Hasselhoff zu Erfolgen verholfen. Also sagte der Tiroler Blondschopf zu und produzierte mit White seine erste Single "Du hast mich heut noch nicht geküsst", welche er schon kurz nach der Fertigstellung bei seinem Freund Karl Moik im "Musikantenstadl" in Schladming präsentieren durfte. "Eine Woche später erreichte die Single auf Anhieb Platz eins in der volkstümlichen Hitparade im ZDF. Der erste Schritt in die neue Karriere war ein super Erfolg", erinnert sich Hinterseer. Und so blieb es überraschenderweise doch nicht bei nur einem Lied, die Kitzbüheler Frohnatur wurde tatsächlich Schlagerstar. "Zuerst dachten meine Skifahrerkollegen jetzt spinnt der Hansi. Doch als es weiter nach oben ging, waren die Burschen schon beeindruckt." Bereits sein zweites Album "Wenn man sich lieb hat" (1995) wurde mit Platin veredelt und machte innerhalb kürzester Zeit auch das Fernsehen auf den Tiroler aufmerksam.

"Jeder Tag ist ein Geburtstag, ein Geschenk."

Als bodenständiger Sympathieträger mit sonnigem Gemüt und Moonboots an den Füßen flimmerte er schon bald als Moderator der TV-Show "Herzlichst Hansi Hinterseer" sowie als Schauspieler in diversen Heimatfilmen über die Bildschirme. Dazu veröffentlichter er fast jährlich neue CDs, die sich selbst in Ländern wie Dänemark als Verkaufsschlager entpuppten und dem Blondschopf Goldene Stimmgabeln, ECHOs, Romys und unzählige weitere Preise einbrachten. Seit Februar ist er nun also sechzig Jahre alt, was sagt Hansi da eigentlich selbst dazu? "Leitln, wie die Zeit verfliegt! Es ist unglaublich, was ich in all den Jahren erleben durfte, dafür bin ich sehr dankbar. Der Herrgott hat‘s bisher gut mit mir gemeint. Auch deshalb ist der Geburtstag ein Tag wie jeder andere für mich. Gleichzeitig ist jeder Tag ein Geburtstag, ein Geschenk, den ich genieße und mir so schön wie möglich mache."

Fotos: © Nikolaj Georgiew

 

 

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