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Coverstory: Die jungen Zillertaler

Dreihundert Prozent

Die selbstbetitelten volkstümlichen Party-Power-Punker feiern in diesem Kalenderjahr nicht nur das zwanzigjährige Bühnenjubiläum, sondern veranstalten heuer auch das insgesamt fünfzehnte JUZI-Open-Air. Aus diesem Anlass nehmen wir die Laufbahn der jungen Zillertaler unter die Lupe.

Zwischen Strass und Mayrhofen liegt das Zillertal, die Heimat von gutem Käse, wunderschönen Skipisten und volkstümlicher Musik. "Musik gehört bei uns einfach dazu. Nicht umsonst ist das Zillertal das musikalischste Tal der Welt und die vielen TouristInnen sowie auch Einheimischen schätzen die Musik. Von der Schihütte bis zum Almabtrieb oder bei unzähligen Events - ohne Musik geht bei uns nichts", erzählen die jungen Zillertaler stolz. Die Schürzenjäger waren die ersten, die es mit ihrer Zillertaler Musik in die Charts geschafft und damit vor etwas mehr als zwanzig Jahren für ein neues Interesse an der Volksmusik gesorgt haben. Viele der Formationen, die heute ihre größten Erfolge feiern, wurden in dieser Zeit, Anfang der Neunziger, aus der Taufe gehoben. Für die jungen Zillertaler war es 1994 so weit. Wie nahezu jedes Kind in der Region wuchsen auch die drei mit der Musik auf. Markus Unterladstätter spielte schon als Siebenjähriger Trompete in der Musikkapelle Strass, machte Ende der Achtziger das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Bronze und Silber und lernte nebenbei noch den Bass zu zupfen. Ähnlich ging es auch bei Daniel Prantl zur Sache: Blockflöte in der Volksschule, kurz darauf der erste Klarinettenunterricht, Gesang, Gitarre, Saxophon und seit 2002 spielt der 35-Jährige auch noch Geige. Beim dritten und damit letzten JUZI sah die musikalische Ausbildung auch nicht sehr viel anders aus – Leistungsabzeichen in Bronze, Silber und Gold am Schlagzeug, dazu Keyboard, Gitarre, Steirische Harmonika und klassischer Gesang – außerdem sollte Michael Ringlers Familienhintergrund sogar noch die Formierung der jungen Zillertaler inspirieren. Der Vater des Musikers ist nämlich niemand Geringeres als Toni Ringler, einer der Mitgründer und bis heute Schlagzeuger der Zillertaler. Vor zwanzig Jahren schlossen sich Michael, Daniel und Markus zu den JUZIs zusammen und veröffentlichten wenig später mit "Starke Idole" (1997) ihr erstes Studioalbum.

"Unsere auftritte als Party-Sound zu bezeichnen, das ist die schiere Untertreibung."

Als Bühnenoutfit wurde etwas Traditionelles gewählt ("Unsere Tracht ist die typische Tracht aus dem Zillertal, die es schon sehr lange gibt. Wir wurden schon oft angesprochen bzw. es gab schon Wünsche von Medien oder Insidern dies zu ändern. Wir bleiben aber unserer Tracht treu und jeder soll sehen, dass wir aus dem schönen Zillertal sind") und auch musikalisch ging es bei dem Trio zunächst eher zünftig zur Sache. Gute Stimmung bei ihren Live-Auftritten war den jungen Zillertalern zwar schon von Beginn an wichtig, zur legendären Partyband, die sie heute sind, wurden Daniel, Markus und Michael jedoch erst rund um die Jahrhundertwende. Eigentlich als einmaliges Konzert zum fünfjährigen Jubiläum angedacht, veranstaltete das Trio das erste JUZI-Open-Air und schlug fast zeitgleich eine etwas moderne Musikrichtung ein. "Sie verschmelzen jugendliche Pop-Musik in frech-alpinem Sound mit uriger Volksmusik" konnte man schon damals in ihrem alten Pressetext zur CD "Gipfelwind im Bluat" (2000) lesen, doch selbst heute gibt es für den JUZI-Sound immer noch Erklärungsbedarf. "Wir machen eigentlich keine typische traditionelle Volksmusik sondern volkstümliche Musik mit modernen Einflüssen und die Grenzen sind hier mittlerweile fließend", erzählen die drei Musiker. Den Erfolg zu erklären fällt den jungen Zillertalern da fast schon leichter. "Ob es ein Rezept gibt, können wir nicht wirklich sagen. Allerdings haben wir alle drei früh gelernt, dass es nur mit Fleiß und Disziplin geht. Man sollte die Worte Danke und Bitte nie aus dem Wortschatz streichen. Wir glauben, dass die Fans spüren, dass wir einfach Spaß beim Musizieren haben und voll hinter unseren Songs und unserer Musik stehen. Nur was man gerne macht, macht man auch gut. Wichtig ist auch, dass wir drei uns seit zwei Jahrzehnten super verstehen und das spüren die Fans." 2007 gab es für die JUZIs mit Gold für das Album "Tiroler Burschen" das allererste Edelmetall, die Stimmungshymne "So a schöner Tag! (Fliegerlied)" sorgte zwei Jahre darauf endgültig für den kommerziellen Durchbruch. Die Single schaffte es bis auf Platz zehn und hielt sich unglaubliche 53 Wochen lang in den Charts, das dazugehörige Album wurde sogar mit Platin bzw. die Single mit Gold ausgezeichnet. 2012 gewann das Trio schließlich auch noch einen Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie "Volkstümliche Musik". Seither sind die Power-Party-Punker nicht mehr zu stoppen.

Das Jubiläumsalbum "300% JUZI" besteht aus vierzehn nagelneuen Songs und erscheint am 25. juli 2014.

Dass es Michael, Markus und Daniel so weit gebracht haben, liegt vor allem an ihrem unermüdlichen Arbeitseifer und ihren Live-Auftritten. "Ein Motto der JUZIs lautet: Nur wer begeistert, bewegt etwas. Wir versuchen bei jedem Auftritt die Fans zu begeistern und positive Stimmung in den Alltag der KonzertbesucherInnen und Fans zu bringen Wenn man ca. 180 bis 200 Mal pro Jahr auf der Bühne im gesamten deutschsprachigen Raum stehen darf, kann man schon sagen, dass die Musik boomt", so die jungen Zillertaler einstimmig. Das bereits angesprochene JUZI-Open-Air wurde daher jährlich fortgeführt und vergrößert und zählt mittlerweile mit rund 7.000 BesucherInnen zu den größten Volksmusik-Festivals des Landes – von 14. bis 17. August 2014 werden heuer in Strass unter anderem Marc Pircher, die Edlseer, die Alpenoberkrainer, Jürgen Drews und Francine Jordi erwartet. Und der viertägige Event, inklusive Schlagerabend, Wanderung und Frühschoppen, lockt längst nicht mehr nur ältere Semerster ins Zillertal. "Unser Publikumsschnitt beginnt bei den Kindern und dann gibt’s kein Alterslimit. Ich glaube, die Leute kommen auch gerne zu uns, weil wir gemeinsam, Publikum und Musiker, wir alle jung- und junggeblieben sind... im Herz, im Kopf und uns daher auch erlauben, für einige Stunden mit dem Publikum gemeinsam übermütig zu sein", meint Markus Unterladstätter. "Unsere Auftritte als Party-Sound zu bezeichnen, das ist die schiere Untertreibung. Ruhe geben können wir daheim in der Stube, auf der Bühne sind wir unter Dauer-Strom", lachen sie. 2014 feiert das Trio nicht nur sein zwanzigjähriges Bühnenjubiläum, sondern veranstaltet in Strass auch schon das insgesamt 15. JUZI-Open-Air und weil das noch nicht ausreicht, wurde auch noch ein brandneues Album aufgenommen. Dieses ist mit vierzehn neuen Partyhits wie "Helikopter", "Holladaratata" oder "Unser Dorf braucht fette Action" gespickt und trägt den absolut passenden Titel "300% JUZI" (VÖ: 25. Juli 2014). "Das heißt, dass jeder von uns 100% für das Publikum gibt und wenn es physikalisch möglich wäre da noch was draufzusetzen, dann würden wir das auch tun", erklären die drei Burschen abschließend die Namenswahl der neuen Platte. Von Kürzertreten kann also keine Rede sein, die jungen Zillertaler geben auch nach zwanzig Jahren weiterhin Vollgas.

Fotos: © SchwaigerART, Sepp Hofmüller, Pressefotos, Produktfoto

 

 

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