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Coverstory: Andy Borg

Auf nach "San Amore"

Andy Borg im ÖMM-Porträt: Von seinen musikalischen Anfängen im Österreichischen Rundfunk über seine Karriere als Schlagersänger bis hin zu seinem großen Erfolg als "Musikantenstadl"-Moderator. Seit mehr als dreißig Jahren unterhält er die Menschen auf seine ganz eigene Art und Weise.

Wenn dieser Tage im österreichischen Fernsehen, im Rahmen der Castingshow "Die große Chance" wieder die größten Talente des Landes gesucht werden, werden auch bei Adolf Andreas Meyer Erinnerungen wach. Ohne dieses Format wäre nämlich aus dem Wiener Mechaniker vermutlich nie der Erfolgsmoderator und Schlagerstar Andy Borg geworden. Der 53-Jährige ist daher bis heute ein Verfechter von TV-Castings, hält sie für sehr wichtig und bezeichnete seine eigene Teilnahme 1981 vor einigen Jahren in einem Interview sogar als Lottosechser. Dabei war Andy Borg im Jahr davor von den ORF-Verantwortlichen zunächst abgelehnt worden. Der damals Zwanzigjährige ließ sich von seinem Weg allerdings nicht abbringen, versuchte es im Folgejahr noch einmal und legte damit den Grundstein seiner bis heute erfolgreichen Karriere. "Dadurch ist Kurt Feltz auf mich aufmerksam geworden und hat ´Adios Amor‘ für mich geschrieben", erinnerte sich der Sänger in einem Interview mit der Kleinen Zeitung. Der Deutsche galt in den fünfziger und sechziger Jahren als Pionier der Schlagermusik und war einer der erfolgreichsten Liedtexter seiner Zeit. Peter Alexander, Bill Ramsey und Peter Kraus schrieb er zahlreiche Nummer-eins-Hits auf den Leib, seine letzte große Tat vor seinem Tod sollte schließlich die Produktion eines Liedes mit einem unbekannten österreichischen Nachwuchssänger sein: "Adios Amor" (1982) von Andy Borg. In Österreich und Deutschland landete der Wiener auf Rang eins der Charts, in der Schweiz, Belgien und den Niederlanden verbuchte die Nummer ebenfalls Top-Platzierungen und wurde insgesamt weit über 14 Millionen Mal verkauft. Andy Borg hatte seine große Chance also im zweiten Anlauf genutzt und wurde über Nacht vom Mechaniker zum Schlagerstar.

Dass Andy Borg heute nicht nur als Sänger, sondern auch als Moderator auf der Bühne steht, verdankt er zwar nicht einer Fernsehsendung, gleichwohl aber einem bekannten TV-Gesicht. "Ein Dankeschön an Dieter Thomas Heck, der als erster den Mut hatte, den Borg moderieren zu lassen", lächelt er. Mitte der Neunziger bekam Borg dann bereits seine erste eigene Fernsehshow. Sein Wiener Schmäh und Dialekt wirkte vor allem bei unseren deutschen Nachbarn wahre Wunder und so verpflichtete ihn die ARD als Moderator der "Schlagerparade der Volksmusik" (1996-2003). Drei Jahre nach dem die Sendung abgesetzt wurde, kehrte Andy Borg als Moik-Nachfolger auf den Fernsehschirm zurück. Die Quoten des legendären "Musikantenstadl" waren stark gesunken, im Rahmen einer Zuschauerbefragung wurde Borg als Retter und Heilsbringer auserkoren – eine Rolle, die ihm damals nicht viele zugetraut hatten. Heute, acht Jahre später, moderiert er den "Stadl" allerdings immer noch und das durchaus erfolgreich.

"Für jede Sekunde eines Lebens gibt es die passende Musik."

Seiner Karriere als Sänger ist Andy Borg in all den Jahren ebenfalls treu geblieben. Mit "Arrivederci Claire" (1982), "Weil wir uns lieben" (1983) und "Ich will nicht wissen, wie Du heißt" (1984) konnte er den Erfolg seiner Debütsingle bestätigen, schon sehr früh erkannte der Entertainer aber auch, dass das Musikgeschäft harte Arbeit bedeutet. "Hits fallen nichtvom Himmel und die Gunst (s)eines Publikums muss man sich jeden Tag von neuem hart erarbeiten" lautet bis heute sein Credo. Schnell und überhastet eine CD auf den Markt zu werfen, kommt für ihn daher nicht in Frage. Zwei Jahre lang hat Andy Borg mit viel Hingabe an seinem neuen Album gearbeitet und für seine HörerInnen eine romantische, musikalische Reise in das fiktive Liebesnest "San Amore" inszeniert. "San Amore ist in unseren Herzen. Alle Menschen, die lieben, leben darin", erklärt der Sänger den Titel der Platte. Dass er die Worte, die er darauf singt, auch wirklich so meint, versteht sich bei Andy Borg ohnehin von selbst. "Das Publikum liebt die Show, ich liebe sie auch, doch sie ist kein Selbstzweck. Ich steh hinter meinen Liedern, in ihnen ist das sprichwörtliche Herzblut. Anderenfalls wäre ich ja nur ein singender Roboter." Weil das weder er selbst, noch seine Fans wollen, hat sich der Wiener vor allem mit Menschen ins Studio begeben, die er selbst schätzt und die ihn schon lange genug kennen, um zu wissen worauf Andy Borg bei seiner Musik Wert legt. Uwe Busse hat ihm beispielsweise das Lied "Zärtlicher Schlawiner" auf den Leib geschrieben, einen durchaus humorvollen Schlager über einen alles andere als perfekten Liebhaber. "Es trifft absolut meinen Charakter, so bin ich", lacht Andy. "Aber Uwe ist schon so lange ein Freund der Familie, der kennt mich besser als ich mich selbst." Weitere Höhepunkte auf dem Album sind die Lieder "Wenn der Tag kommt" und "Der Himmel auf Erden", welche beide Liebeserklärungen an seine Geburtsstadt sind. Ersteres ist vollständig im Wiener Dialekt gehalten, letzteres wurde wiederum als Wiener Walzer arrangiert. Markus, der Sohn des bekannten Produzenten Christian Zierhofer (Marc Pircher, Nockalm Quintett, Udo Wenders), hat dafür ein ganzes Orchester zu sich ins Studio geholt, der Text der Nummer stammt von keiner Geringeren als der 83-jährigen Irma Holder, welche im Laufe ihrer Karriere auch schon für Roy Black und Karel Gott schrieb. Es gibt also gleich mehrere Gründe warum "Der Himmel auf Erden" ein ganz besonderes Lied ist. "Das Stück ist mein Favorit auf dem Album, auch wegen der Zeilen von Irma Holder, der großen Dame des Schlagertextens", berichtet Andy Borg, der im Herzen immer noch ein stolzer Österreicher ist. "Ich lebe zwar schon 30 Jahre in Deutschland, aber ich fluche immer noch in meiner Muttersprache."

Doch das waren noch nicht alle Kollaborationen, denn auch der legendäre Drafi Deutscher ("Marmor, Stein und Eisen bricht"), der 2006 viel zu früh verstorben ist, ist auf dem Album zwei Mal verewigt. "Herz an Herz-Gefühl" sowie das großartige "Das Elfte Gebot" stammen aus dem Nachlass des Sängers und Musikers. An letztgenannte Nummer hegt Andy Borg sogar ganz besondere Erinnerungen. "Das Lied hatte mir Drafi nach einem Auftritt in einem Hotelzimmer auf dem Keyboard vorgespielt. Das war gegen vier Uhr in der Früh. Ich dachte sofort: Toll, der hat‘s wirklich drauf. Drafis Kunst wirkte nie abgedroschen. Was er sang, entsprach auch meinem tiefsten Inneren", erzählt Andy Borg. Streng genommen ist die Reise nach "San Amore" also eigentlich gar kein Ausflug in eine fiktive Stadt, sondern in das Herz des beliebten Sängers und Moderators. Der "Mr. Musikantenstadl" macht auf dem Album nämlich einmal mehr das, was ihm gefällt und woran er glaubt. "Für jede Sekunde eines Lebens gibt es die passende Musik. Meine ist die von Andy Borg. Ich habe so lange daran gearbeitet, dass die Leute wissen, wer ich bin", sagt er selbst. Er wolle und werde sich daher nicht verbiegen, anbiedern oder verändern, nur um ein paar Tonträger mehr zu verkaufen. "Lateinamerikanische Rhythmen, rockige Melodien, das können andere besser. Ich bin zuständig für den guten, alten deutschen Schlager", so Borg abschließend. Das gilt heute, wird in Zukunft gelten und galt schon vor 33 Jahren auf der ORF-Bühne von "Die große Chance", als aus dem singenden Mechaniker Adolf Andreas Meyer der Schlagerstar Andy Bord wurde.

Fotos: © Pressefoto, MCP, ORF, Produktfoto

 

 

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