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Jogl Brunner

"Ich habe totale Lebenslust"

Fünf Jahre nach der Trennung von Brunner & Brunner, hat nun auch Jogl Brunner sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Warum er dem Musikgeschäft beinahe für immer den Rücken gekehrt hätte, wie das Verhältnis zu seinem Bruder heute aussieht und was für ihn Lebenslust bedeutet hat uns Jogl Brunner im großen ÖMM-Interview erzählt.

Im Rahmen des "Musikantenstadls" vom 19. September 2009 gab das Erfolgsduo Brunner & Brunner seine Auflösung bekannt. Nach einer Abschiedstournee im Folgejahr gingen die beiden Brüder getrennte Wege: Charly startete bereits nach wenigen Monaten eine Solokarriere, während sich Jogl aus der Öffentlichkeit zurückzog. Der selbstverordnete Abstand brachte dem Steirer schließlich aber sowohl die Musik als auch seinen Bruder wieder näher.

ÖMM: Wie denkst du heute, fünf Jahre danach, über die Auflösung von Brunner & Brunner?

Jogl Brunner: Das war die beste Entscheidung überhaupt. Ich habe erst vor wenigen Tagen mit meinem Bruder telefoniert und habe ihm gesagt, dass wir eigentlich schon recht stolz darauf sein können, dass wir diesen Schritt damals gewagt haben. Brunner & Brunner war ja nicht nur ein musikalisch erfolgreiches Duo, sondern auch ein Wirtschaftsbetrieb, der seines gleichen suchte. Das hätte ja funktioniert bis an unser Lebensende. Uns zu trennen, nur weil wir uns musikalisch nicht mehr ergänzt hatten, war für viele nicht ganz verständlich. Trotzdem zu sagen "Nein, jetzt geht jeder seinen eigenen Weg, um wieder selbst kreativ sein zu können" war nicht so einfach, deshalb sind wir wirklich stolz darauf.

ÖMM: Vor einigen Jahren hast du in einem Interview gesagt: Der Gerümpelhaufen in mir wird gerade aufgearbeitet. Ist er heute aufgeräumt?

Jogl Brunner: Ich glaube, ganz sauber ist man nie, aber ich bekomme zuletzt oft gesagt, dass heute ein anderer Mensch vor ihnen sitzt. Das sehe ich als Kompliment. Selbst habe ich das damals gar nicht so mitgekriegt, aber es gab schon auch viel Stress und dann spürt man sich selbst oft nicht so. Jetzt habe ich aber irgendwie wieder das Leben gefunden, habe mich auf vielen Bergen bewegt, bin Geher geworden und spaziere täglich sicher zwei Stunden durch die Natur. Das ist vielleicht die Erklärung, warum dieses Gerümpel mittlerweile wirklich zum Großteil ausgeräumt ist.

ÖMM: Wusstest du immer, dass du zu irgendeinem Zeitpunkt als Solointerpret zurückkehren würdest?

Jogl Brunner: Nein! In der ersten Zeit habe ich überhaupt keine Musik gemacht. Vielleicht habe ich am Abend nach dem Heimkommen ein bisschen mit der Gitarre dahingeklimpert, aber das war nichts, das ich jemandem vorspielen hätte wollen. Eine musikalische Wiedergeburt auf der Bühne habe ich damals nicht gesehen. Erst im zweiten Jahr hat es mich auf einmal gerissen. Dazu passt auch meine Single "Du bist wie ein Stern aus dem Himmel gefallen" ganz gut, denn es muss nicht immer eine Frau sein, die vom Himmel fällt, manchmal ist es auch nur eine Erkenntnis.

ÖMM: Es wäre also auch wirklich möglich gewesen, dass du gar nie wieder professionell Musik machst?

Jogl Brunner: Im ersten Jahr deutete vieles daraufhin. Da habe ich gar nicht über meine Zukunft nachgedacht, ich wollte wirklich meine Ruhe haben. Dass ich jetzt wieder da bin, hat übrigens nichts mit Kohle zu tun. Geld war für mich nie eine Motivation, sondern die Musik, sie ist mein Lebenselixier.

ÖMM: Charly ist schon früher zurückgekehrt. Hast du dir seine Alben gekauft?

Jogl Brunner: (Lacht laut) Nein, gekauft habe ich sie mir nicht, aber er hat sie mir ins Postkast‘l geschmissen. Ich hab sie mir natürlich angehört und habe mit meinem Bruder auch über seine Musik geredet. Genau wie jetzt bei mir, ich habe ihn gleich auf meine Hütte zitiert. Wir haben dann eine Flasche Wein getrunken, uns alles angehört und er hat mir gesagt was er davon hält, was er als Singles nehmen würde.

ÖMM: Wir würdest du heute euer Verhältnis beschreiben?

Jogl Brunner: Wir mögen uns wieder beziehungsweise gemocht haben wir uns immer, aber wir haben uns als Brüder wiedergefunden. Geschafft haben wir das durch Stille und Abstand. Ein Jahr lang hatten wir wirklich nur das Notwendigste kommuniziert und dann ist es immer mehr geworden und heute ist es wieder sehr intensiv.

ÖMM: Wäre gemeinsame Musik also sogar auch wieder denkbar?

Jogl Brunner: Ich habe schon tausend Mal zu rauchen aufgehört, daher schließe ich generell nichts mehr aus. Miteinander kreativ zu sein macht allerdings nur Sinn wenn man sich auch ergänzt und das haben wir eh zwanzig Jahre lang getan. Jeder hat jetzt seine Solokarriere und ich bin momentan sehr glücklich. Sollte es sich im Laufe unseres restlichen Lebens aber ergeben, dass wir etwas gemeinsam machen wollen, weil das so genial wäre, dann warum nicht?

ÖMM: Kommen wir zu deinem Album. Wann hast du schließlich mit der Arbeit daran begonnen?

Jogl Brunner: Wie gesagt, im zweiten Jahr hat es mich wieder gepackt, die Produktion hat somit 2012 begonnen. Ich bin ein Workaholic also wenn ich mich hinsetze, dann mache ich das nicht stundenweise pro Tag, sondern richtig. Warum es mit der Veröffentlichung drei Jahre gedauert hat war nicht die Produktion selbst, sondern eher meine Selbstfindung. Was spüre ich überhaupt? Musik muss aus meinem Innersten kommen und authentisch sein.

ÖMM: Du wirst auch wieder auf die Livebühne zurückkehren. Was denkst du ist schwieriger, der Abschied vom Applaus oder das Comeback?

Jogl Brunner: Von der Bühne runterzugehen war sehr schwierig, all das aufzugeben ging nicht von heute auf morgen. Die Rückkehr ist für mich Begeisterung pur. Was vielleicht nicht ganz so einfach ist, ist, sich wieder auf die Bühne hinzutrimmen. Also die körperliche und geistige Fitness...

ÖMM: Ein Hauptgrund für die Trennung waren damals ja kreative Differenzen, als Solokünstler hattest du nun alle Zügel in der Hand. Wie hat sich das angefühlt?

Jogl Brunner: Das war nicht immer so toll, denn wenn mir früher etwas nicht eingefallen ist, dann konnte ich meinen Bruder fragen. Diesmal stand ich ganz alleine da. Ich habe mir schließlich Zeit gelassen und einfach auf die Inspiration gewartet. Das Tolle ist, dass ich, wenn mir eine Zeile eines Liedes fehlt, auch drei Hütten besteigen und dann noch einmal darüber nachdenken kann. Gute Ideen kommen einem nicht sofort und man kann sie auch nicht erzwingen, aber ich hatte das Vertrauen, dass sie irgendwann kommen.

ÖMM: Was bedeutet für dich nun eigentlich "Lebenslust"?

Jogl Brunner: Das habe ich lange nicht gewusst. Ich beobachte mich aber oft selbst und habe gemerkt, dass ich manchmal einfach grundlos einen Grinser drauf habe. Da habe ich mir dann gedacht: eigentlich habe ich totale Lebenslust. In diesem Moment habe ich nicht nur den Albumtitel gefunden, sondern auch für mich selbst entdeckt was Lebenslust bedeutet.

Foto: © Pressefoto

 

 

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