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Coverstory: Marc Pircher

Hüttencamp statt Stadl

Bei Marc Pircher ist immer etwas los! Wenn er in den vergangenen Monaten nicht gerade an seinem neuen Album "Leider zu gefährlich" gearbeitet hat, gab es Gerüchte über eine mögliche "Musikantenstadl"-Übernahme oder er fuhr mit dem Fahrrad vom Zillertal nach Wien. Wir haben den sympathsichen Tiroler zum Interview gebeten.

Zwar sind seit der Veröffentlichung seines letzten Albums erst vierzehn Monate vergangen, die Produktion seiner neuen Platte dauerte dennoch so lange wie noch nie in Marc Pirchers musikalischer Laufbahn. "Ich lasse mir mittlerweile immer länger Zeit, also diesmal haben wir schon über ein Jahr gebraucht. Das ist mir mittlerweile aber auch total wichtig, dass das nicht schnell schnell geht", erzählt er uns im exklusiven Interview für diese Coverstory. Dass Stillstand der Tod ist, wusste nicht nur der Schweizer Schriftsteller Max Frisch, auch Marc Pircher lege richtig viel Wert darauf sich als Künstler weiterzuentwickeln. Ein Album soll niemals klingen wie sein Vorgänger, dennoch aber auch nicht komplett verschieden, eine Herausforderung, die der sympathische Tiroler diesmal besonders gut gemeistert hat. "Es ist ein typisches Marc-Pircher-Album geworden und trotzdem ist eine Weiterentwicklung zu spüren und zu hören und das ist mir extrem wichtig. Also, dass man zwar immer wieder etwas Neues probiert, die Wurzeln dabei aber erkennbar bleiben." Die neue CD "Leider zu gefährlich" hat gleich in vielfacher Hinsicht Neues zu bieten.

"Neu ist auf jeden Fall, dass diesmal der Löwenanteil der CD mit Band eingespielt wurde. Sehr viele Lieder wurden von meiner achtköpfigen Band sogar komplett live eingespielt, also soundtechnisch ist es dadurch noch ‚live-iger‘ und klingt einfach voller. Das war früher natürlich nicht so, da hat man in erster Linie arrangiert und hat zum Computer-Arrangement dann dazugespielt", erklärt Marc Pircher. Diese Art und Weise der Aufnahmen, habe laut dem "ErVOLKsmusiker" allerdings noch weitere Vorteile: Zum einen gebe es zwischen Livekonzert und dem Hörgenuss zuhause weniger Unterschiede und zum anderen müsste die Band die neuen Lieder für die Tournee nicht von der Pieke an lernen. "Das Einspielen war für die gesamte Band eine tolle Probe", so der Zillertaler. Besetzungstechnisch hat sich bei Marc Pirchers Band zwar nichts geändert, auch sein "Produzenten-Dreamteam" ist mit Christian Zierhofer und Helmut Rasinger gleich geblieben, dafür hat Marc in anderer Form für Abwechslung gesorgt. Zum Brainstormen hat der Sänger nämlich auf eine abgelegene Almhütte in seiner Zillertaler Heimat geladen. "Wir haben uns in ein Haus in den Bergen eingemietet und uns dort drei Tage lang total vergraben. Also mein Musiker, mein Arrangeur, mein Produzent und ich. Und dann haben wir einfach richtig Brainstorming gemacht. Das hat sich wirklich ausgezahlt. Natürlich haben wir zwischendurch auch mal ein bisschen gechillt", lacht Marc Pircher, "aber da sind wirklich viele Ideen entstanden. Sicher siebzig Prozent des Albums. Natürlich nicht die fertigen Lieder, aber die Ideen dazu und die haben wir danach im Tonstudio ausgebaut." Dieses von Marc Pircher liebevoll als "Hüttencamp" bezeichnete Wochenende, habe die Produktion von "Leider zu gefährlich" extrem berreichert und zu vielen interessanten Gesprächen geführt. "Es war total schräg, wenn man sich drei Tage lang mehr oder weniger einsperrt, dann passieren da natürlich einige Dinge. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Einer beginnt etwas zu erzählen und dann legt einer etwas drauf und ein anderer noch etwas", erinnert sich Marc Pircher.

"Es ist ein typisches Marc-Pircher-Album geworden und trotzdem ist eine Weiterentwicklung zu spüren und das ist mir extrem wichtig."

Nicht nur auf der Alm, sondern ganz generell habe bei der Albumproduktionen Spontanität eine große Rolle gespielt. So gibt es beispielsweise eine Nummer, die Marc gemeinsam mit einem Kinderchor der Musikschule Kitzbühel aufgenommen hat. "Eigentlich war ich dort nur eingeladen gewesen, um eine Patenschaft zu übernehmen, habe mir als ich dort war dann aber ganz spontan gedacht, dass ich mit den Kindern ein Lied für das neue Album aufnehmen könnte. Das haben wir dann auch gemacht und gemeinsam einen zwanzig Jahre alten Hadern der Schürzenjäger gecovert." Ansonsten gibt es auf der Platte aber Marc Pircher pur, abgesehen von einem Duett mit den Zillertaler Haderlumpen, mit denen der Sänger einen Song über das schöne Land Tirol aufgenommen hat, gibt es diesmal weder Duette noch Coverversionen. Highlight für alle Partybegeisterten dürfte das Lied "Wo sind die Hände" sein, einer klassischen Einheizernummer. "Das wird ab sofort das erste Lied sein, das wir spielen wenn ich auf die Bühne komme. Das kommt bei den Leuten sehr gut an, damit geht gleich von Beginn an die Post ab." Etwas ruhiger, dafür um einiges brisanter ist das Titellied "Leider zu gefährlich", nachdem Marc auch das Album benannt hat. In dem Song besingt er eine unerwartete Frauenbekanntschaft, die ihm zwar gefallen würde, das Risiko jedoch nicht wert wäre. "Es geht darum, dass ich eine total scharfe Frau kennenlerne, aber die ist mir leider zu gefährlich. Und wenn ich am nächsten Tag heimkomme und in die Augen meiner eigenen Frau sehe, dann ist es die Bestätigung, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe." Doch nicht nur in Sachen Liebe hat der heimische Musikstar seine Grenzen, wie er uns im Interview verrät. "Ich habe schon viel verrückte Sachen gemacht, beispielsweise habe ich beim ORF bei einem Rennen teilgenommen, wo wir über die Planai runtergefahren sind, einem sehr steilen Hang in Schladming. Dann habe ich schon viermal bei Stefan Raabs Wok-WM mitgemacht, wo man in einem Wok eine Bobbahn hinunterfährt. Heuer haben wir im Teambewerb sogar gewonnen. Das sind alles Sachen, die gehen für mich gerade noch so. Was ich allerdings niemals machen würde ist zum Beispiel das ‚TV Total Turmspringen‘, dazu hat mich Stefan Raab auchschon mehrfach eingeladen. Oder auch Fallschirmspringen würde ich nie, obwohl ich schon oft Paragleiten war. Da läuft man nämlich ‚nur‘ vom Berg weg, aber raushüpfen aus einem Flieger, das muss man sich erstmal trauen. Da scheiß ich mir in die Hos‘n."

Und auch auf eine andere Gefahr kamen wir zu guter Letzt noch zu sprechen, nämlich das Risiko, das Marc Pircher eingegangen wäre, wenn er Andy Borg als "Mr. Musikantenstadl" beerbt hätte. Gerüchte gab es diesbezüglich viele, trotz zahlreicher medialer Spekulationen soll solch ein Engagement jedoch nie im Raum gestanden sein. "Ich habe nie eine offizielle Anfrage erhalten", plaudert Marc Pircher aus dem Nähkästchen. "Ganz ehrlich, ich bin darüber aber überhaupt nicht traurig. Es gibt derzeit so viele Gerüchte und Negativpresse, darum verdienen die zwei meinen vollen Respekt." Seinen mühsam erarbeiteten Erfolg, wie Francine Jordi als Sängerin oder Alexander Mazza als Moderator, aufs Spiel zu setzen fiele laut Marc Pircher nämlich ebenfalls in die Kategorie "Leider zu gefährlich". Immerhin würden viele Leute fälschlicherweise nach wie vor glauben, dass der Moderator für die Gäste und das musikalische Programm verantwortlich sei. "Die geben dann nicht dem Regisseur oder Produzenten die Schuld, sondern hätten in meinem Fall gesagt: ‚Den Pircher kannst dir auch net mehr anschauen!‘. Ich drücke den beiden deshalb alle Daumen, vor allem Francine ist durch die Aiderbichl-Adventsendungen eine gute Freundin von mir geworden." Was die musikalische Neuausrichtung des Stadls betrifft, hat der Zillertaler allerdings einen Wunsch: "Ich hoffe, dass nicht alle Gerüchte wahr sind und ich mit der Art von Musik, die ich mache, auch in Zukunft noch Platz in der Sendung haben werde." Wenn nicht, könne Marc Pircher damit wahrscheinlich auch leben, denn seit dem neuen Album steht für ihn fest: Lieber Hüttencamp statt Stadl!

Fotos: © Michael Mey, Büro Marc Pircher, electrola, Pressefoto

 

 

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