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Coverstory: Calimeros

"Die Fans mögen Lieder über Träume"

Die Calimeros sind die mit Abstand erfolgreichste Schlagerband aus der Schweiz und das seit fast vier Jahrzehnten. Hierzulande gelang dem Trio jedoch erst jetzt der große Durchbruch. Wir haben Sänger und Calimeros-Gründer Roland Eberhart deshalb zum Interview gebeten, um mit ihm über die Anfänge, die musikalische Ausrichtung und das neue Album der Gruppe zu sprechen.

Manche Künstler haben das Glück den Erfolg geschenkt zu bekommen, andere wiederum müssen ihn sich richtig hart erarbeiten. Im Falle von Roland Eberhart ist definitiv letzteres zutreffend, musste der sympathische Schweizer und Frontmann der Schlagerband Calimeros doch immerhin fast vierzig Jahre auf seine erste Nummer eins warten. Erst vor einem knappen Monat hat er diesen Meilenstein mit seinen beiden Bandkollegen Stefan Ruchti und Andy Rynert erreicht. In den Schweizer Album-Charts hat es "Sommersehnsucht" sogar gleich in zwei aufeinanderfolgenden Wochen auf den Thron geschafft und auch in Österreich (5.) und Deutschland (5.) wurden neue Karrierehöchstwerte erreicht. Zwar konnte die Schlagerband in ihrer Heimat nie über mangelnden Erfolg klagen – dreizehn Gold- sowie fünf Platin-Auszeichnungen konnten die Calimeros in der Schweiz verbuchen – außerhalb tat sich die Formation um Roland Eberhart allerdings recht schwer. Erst der letztjährige Wechsel zum Münchner Erfolgslabel Telamo brachte einen Umbruch. "Wenn wir in Deutschland und Österreich gespielt haben, hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute unsere Musik mögen. Deshalb wusste ich immer, dass wir mit dem entsprechenden Werkzeug, also eine Plattenfirma, die die Kontakte und Mittel hat, um uns auch in diesen beiden Ländern richtig zu bewerben, die Chance haben, noch weiterzukommen", erzählt uns der Frontmann im exklusiven Interview.

Da einem die drei Musiker in unseren Gefilden tatsächlich fast ein wenig wie Neulinge in der Schlagerwelt vorkommen, haben wir beim Gespräch mit Roland Eberhart etwas weiter ausgeholt und uns von ihm die ganze Gründungsgeschichte der Calimeros erzählen lassen. "Gerne", meinte er mit seinem sehr sympathischen und nicht verbergbaren Schweizer Akzent und legte los. "Ich habe Eishockey gespielt und wir hatten im Verein ein alljährliches, kleines Fest. Da ein paar im Verein auch Instrumente spielen konnten, hatten wir 1976 die Idee, einmal gemeinsam ein Lied auf die Bühne zu bringen", erzählt Roland Eberhart und beginnt zu singen: Good morning, America, how are you? Say, don‘t you know me? I‘m your native son. Zur Melodie von Arlo Guthries Folk-Klassiker "City of New Orleans" (1972) schrieb der Schweizer einen Text über seinen Eishockeyclub. Der Auftritt kam war gut an, sollte aber eigentlich dennoch der erste und auch letzte gewesen sein. Überraschenderweise und zum Glück für die unzähligen Calimeros-Fans kam es dann aber doch ein wenig anders als geplant. "Wir bekamen plötzlich Anfragen für weitere Auftritte und dachten uns dann damals einfach: Warum nicht?" 1977 haben dann die damals noch fünf Musiker beschlossen ganz offiziell eine Band zu gründen. Also musste natürlich ein Name her, einer der einprägsam und auffällig ist. "Ich war damals sehr oft und gerne in Griechenland, vor allem auf Kreta, über das wir mit den Calimeros in den Achtzigern auch ein sehr erfolgreiches Lied veröffentlicht haben. Kalimera bedeutet auf Griechisch ja soviel wie ‚Guten Tag‘ und so habe ich gesagt: Kalimera, Calimeros, vielleicht kann man das daraus machen. Außerdem gab es zu dieser Zeit ja auch noch diese sehr populäre Ente mit der Eierschale auf dem Kopf", erinnert sich Roland Eberhart mit einem Lächeln. "Es gab auch noch ganz andere Ideen, irgendetwas mit Sternen wie Silbersterne oder Flaming Stars. Damals hatten alle englische Namen oder spanische und wir wollten einfach etwas ganz anderes und haben uns dann deshalb für Calimeros entschieden."

"Wir haben nie das Ziel verfolgt erfolgreich zu werden, das sollte etwas Kleines für Feste und Hochzeiten bleiben und nicht mehr. Doch dann kamen immer mehr Anfragen."

Die Band war gegründet, der Name gefunden, die ersten Erfolge durften kommen. "Gar nicht. Auch als es die Calimeros schon gab, haben wir nie das Ziel verfolgt erfolgreich zu werden. Es sollte etwas Kleines für Feste und Hochzeiten bleiben und nicht mehr, so das wurde es. Wir waren damals alle um die zwanzig Jahre alt, hatten Power und wollten Musik machen und so kam es dazu, dass ich auch immer mehr eigene Songs komponierte. Als ich dann die ersten zwölf Titel fertig hatte, habe ich Plattenfirmen kontaktiert und dabei auch eine gefunden, die gesagt hat: ‚Wir wollen euch‘." Und so durften Roland Eberhart und seine Mannen ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnen – ein erster großer Erfolg, wenn man bedenkt, dass es zum damaligen Zeitpunkt keinerlei Schweizer Schlagerkünstler gab. "Eigentlich gab es gar keine Szene. Damals wurde noch viel getanzt und so gab es viele Coverbands, die in Lokalen aufgespielt haben, aber eigene Schlagerkünstler gab es vor uns und auch nach uns sehr wenige. Leonard in den Achtzigern, Francine Jordi und Monique in den neunziger Jahren, aber die Schlagerszene in der Schweiz war und ist leider sehr überschaubar." Der Umstand, dass auch die Calimeros ursprünglich nicht als Schlager-, sondern Coverband gegründet wurde, ist übrigens auch der Grund warum Roland Eberhart auf der Bühne Hochdeutsch singt. "Als Coverband hatten wir zusätzlich auch englische, französische und italienische Sachen im Programm und da hätte Schwyzerdütsch irgendwie nicht gepasst. Wir wollten ja auch keine Mundart-Band sein, sondern eine Coverband", erklärt er uns.

Nachdem die Tinte am Plattenvertrag getrocknet war, erschien 1983 mit "Sommerwind" das Debütalbum der Calimeros. Neben dem bereits erwähnten Song "Kreta", fand sich auf der Platte noch eine weitereNummer. "Das Glück war dann, dass uns meine dritte Eigenkomposition ‚Du bist wie die Sterne so schön‘ wirklich die Türen aufgemacht hat. Speziell dieses Lied wurde sehr viel im Schweizer Radio gespielt und auch von den Leuten gewünscht und so ging es dann richtig los." Ein Album jagte das nächste, in der Schweiz wurden die Calimeros zu dem Schlager-Act schlechthin. "Irgendwann waren wir einfach nicht mehr wegzudenken. Auch Leute, die diese Art der Musik nicht mögen, mussten akzeptieren, dass es die Calimeros gibt und sie mit ihrem Tun erfolgreich sind." Weil Roland Eberhart den Sommer, den Strand und das Meer selbst liebte, blieb es für die Calimeros bis heute beim "Urlaubs-Schlager". "Vielleicht auch gerade, weil wir in der Schweiz so viele hohe Berge haben, wollen wir wenigstens einmal im Jahr die Weite des Meeres sehen. Deshalb singe ich gerne darüber", so der Frontmann. "Und die Fans mögen diese Lieder über Träume, die Liebe und die Hoffnung." Die Hoffnung, die man bekanntlich niemals aufgeben sollte – dafür ist die Karriere der Calimeros das beste Beispiel. Der große Durchbruch nach 38 Jahren, was soll da noch kommen? "Was derzeit passiert, hätte ich mir nie erträumen lassen, deshalb lasse ich mich auch von der Zukunft überraschen und versuche meine Arbeit so gut zu machen wie ich kann. Meine größte Motivation und mein persönliches Ziel sind, den Leuten noch möglichst lange eine Freude mit unseren Schlagern zu machen", so Roland Eberhart abschließend.

Fotos: © Telamo, Pressefotos

 

 

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